Die meisten Experten waren sich noch sicher, dass das Bankensystem des Westens außerordentlich krisenfest sei. Die Verluste würden "problemlos" eingedämmt werden können, so der Tenor.
Aber für Nakaso, Leiter der Abteilung Finanzmärkte bei der japanischen Zentralbank, war es wie ein Déjà -vu. Nachdem Verluste aus dem Subprime-Geschäft die Düsseldorfer IKB untergehen ließen, warnte er seine ausländischen Kontakte: "Ich sehe erschreckende Parallelen zur frühen Phase unserer eigenen Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt." Der Fall IKB sei möglicherweise nur der Auftakt: "Die Krise wird die Managementfähigkeiten der Zentralbank und Finanzbehörden auf eine echte Probe stellen."
Vorbeugende Maßnahmen
Seine Sorge erwies sich als begründet. Am 9. August 2007 sorgte die Europäische Zentralbank EZB an den Finanzmärkten für Schockzustände, als sie 95 Mrd. Euro in den Markt pumpte, um einen drastischen Anstieg der Kreditkosten zu verhindern. Kurz darauf zog die amerikanische Zentralbank nach. Mit diesen "vorbeugenden Maßnahmen", wie sie es nannten, hatten EZB und Fed die Marktteilnehmer beruhigen wollen, aber die Panik war beileibe nicht vorbei.
Als im August die Kapitalmärkte auszutrocknen begannen, gerieten reihenweise Finanzvehikel in die Krise und ließen den Preis vieler Schuldtitel kollabieren. Die folgende Kettenreaktion sorgte bei Banken in den USA und Europa für Liquiditäts- und Solvenzprobleme in einem Ausmaß, wie man es zuletzt fast genau ein Jahrzehnt zuvor in Japan erlebt hatte.
Ein Jahr später sieht es nicht besser aus. Der Druck auf die Banken ist derart gestiegen, dass es nach einigen Kriterien die schwerste Finanzkrise ist, die der Westen seit 70 Jahren erlebt hat.