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Merken   Drucken   27.04.2012, 11:26 Schriftgröße: AAA

Schlechtes Rating, hohe Arbeitslosigkeit: Spaniens "gigantische Krise" verschärft sich

Für das Euro-Krisenland Spanien reißen die schlechten Nachrichten nicht ab: Erst senkt S&P das Rating, dann vermelden die Iberer eine Rekordarbeitslosigkeit. Der Euro verliert, Spaniens Renditen steigen. Der Außenminister findet dramatische Worte.
© Bild: 2012 Getty Images/Photo by Rafa Elias
Für das Euro-Krisenland Spanien reißen die schlechten Nachrichten nicht ab: Erst senkt S&P das Rating, dann vermelden die Iberer eine Rekordarbeitslosigkeit. Der Euro verliert, Spaniens Renditen steigen. Der Außenminister findet dramatische Worte.

Die spanische Krise nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Die Arbeitslosenquote stieg im ersten Quartal auf 24,4 Prozent, teilte das Statistikamt am Freitag in Madrid mit. Das ist der höchste Stand seit den frühern 90ern. Ende 2011 lag sie noch bei 22,9 Prozent. Spanien hat die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Außenminister José Manuel Garcia-Margallo fand drastische Worte für die Lage: "Das sind schreckliche Zahlen für uns alle, und sie sind furchtbar für die Regierung...Spanien steckt in einer Krise gigantischen Ausmaßes."

Zuvor waren die Spanier am Anleihemarkt wieder unter Druck geraten. Mit Verkäufen reagierten die Investoren auf die Herabstufung des südeuropäischen Landes durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Zehnjährige spanische Bonds rutschten um 1,16 Punkte auf 98,8 Punkte ab und rentierten damit wieder über der für die Refinanzierung kritischen Marke von sechs Prozent. Auch der Euro geriet unter Druck und fiel bis auf 1,3156 Dollar. Vor der Nachricht hatte die Gemeinschaftswährung um 1,3240 Dollar notiert.

Infografik - So flüssig sind die Euro-Länder   Infografik - So flüssig sind die Euro-Länder

S&P hatte unter Verweis auf erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt die Kreditwürdigkeit Spaniens um zwei Stufen auf BBB-plus abgewertet. Den Ausblick setzte sie auf Negativ. "Diese Herunterstufung zeigt, dass die europäischen Regierungen immer noch damit kämpfen, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen", sagte Analyst Philippe Gijels von BNP Paribas Fortis. "Wir werden wohl weitere Downgrades anderer Ratingagenturen sehen." Die Märkte sollten sich auf weitere Negativ-Nachrichten einstellen. "Die Konsolidierungsphase an den Märkten wird noch ein Stück anhalten."

Im Schlepptau der spanischen Anleihen wurden auch italienische Papiere wieder verstärkt mit spitzen Fingern angefasst. Die Rendite der zehnjährigen Bonds stieg auf 5,7 (spätes Vortagesgeschäft: 5,6) Prozent. Im Verlauf des Vormittags dürfte eine neuerliche Aufstockungen fünf- und zehnjähriger italienischer Anleihen in den Fokus rücken. Nach der Abstufung für Spanien wird diese Auktion nun noch skeptischer beäugt.

Jeder Vierte ohne Job

Spanien gilt seit längerem an den Finanzmärkten als Wackelkandidat. Der Refinanzierungsbedarf des Finanzsektors hat zuletzt Sorgen geschürt, das Land müsse auf Hilfsgelder seiner internationalen Partner zurückgreifen. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds haben die angeschlagenen Banken aber ausreichend Kapital, um die Rezession auszuhalten.

Zuletzt hatte sich die Regierung in Madrid zuversichtlich gezeigt, ihr Sparziel für dieses Jahr zu erfüllen. Mit Hilfe eines strikten Sparkurses von mehr als 27 Mrd. Euro  will das Land einen Fehlbetrag von 5,3 Prozent nach Brüssel melden. Im vergangenen Jahr waren es noch 8,5 Prozent. Die drastischen Sparbemühungen sollen dazu führen, dass die Finanzmärkte wieder Vertrauen in das hoch verschuldete Land fassen. Zwar kann Spanien noch erfolgreich den Kapitalmarkt anzapfen, muss die Anleger aber zunehmend mit höheren Zinsen locken.

  • FTD.de, 27.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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