FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Allianz fordert Sanierungssteuer für Euro-Krisenländer

Merken   Drucken   14.09.2011, 16:59 Schriftgröße: AAA

Schulden-Soli: Allianz fordert Sanierungssteuer für Euro-Krisenländer

Das Pro-Kopf-Vermögen liegt in hoch verschuldeten Staaten wie Irland und Italien über dem deutschen. Zu diesem Schluss kommt der Versicherer in einer neuen Studie. Das Fazit von Chefvolkswirt Heise: Die Reichen in den armen Ländern müssen mehr zahlen. von Daniela Leistikow, Frankfurt
Die Hände von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise liegen mit locker verschränkten Fingern auf dem Tisch. Eine Insolvenz von Griechenland, wie sie CDU und FDP fordern, sei nicht nötig. Zu dieser Schlussfolgerung führen ihn die Ergebnisse des zweiten "Global Wealth Reports" der Allianz, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurden. Die Studie analysiert die Vermögens- und Schuldenlage in Bezug auf das Geldvermögen privater Haushalte in 50 Ländern.
Michael Heise, Chefökonom der Allianz   Michael Heise, Chefökonom der Allianz
Die Privatvermögen in vielen Problemstaaten reichten an die Höhe der Staatsschulden heran, erläuterte Heise. "Das sollte ein Anlass sein, die Krise besonnen zu betrachten und nicht in Panik zu verfallen", sagte der Chefsvolkswirt. "Es handelt sich um reiche Länder, die in der Lage sein sollten, das Geld aufzutreiben." Heise schlägt eine Vermögenssteuer für einen begrenzten Zeitraum vor.
Euro-Länder mit Schuldenproblemen wie Irland und Italien liegen im Allianz-Ranking nach Pro-Kopf-Bruttovermögen 2010 vor Deutschland. Die Bundesrepublik belegt mit Vermögen von rund 60.000 Euro pro Kopf Platz 17. Italien ist mit 60.818 Euro pro Person einen Rang darüber, Irland landet mit rund 64.000 Euro auf dem 14. Platz.
Die Regierung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi  hat in der vergangenen Woche die Einführung einer Reichensteuer beschlossen. Entgegen den ursprünglichen Plänen greift sie aber erst bei einem Jahreseinkommen von mehr als 500.000 Euro.
Geldvermögen trotz Krise auf Rekordniveau
Unter den Vermögenden ganz oben stehen weiterhin die Schweizer, denen der starke Franken einen Wert von 207.000 Euro pro Kopf beschert. Mit großem Abstand folgen die USA und Japan mit je rund 112.000 Euro Vermögen pro Person. Das globale Bruttovermögen kletterte 2010 um 6,2 Prozent auf insgesamt 95.300 Mrd. Euro. Damit wird der Rekordwert des Jahres 2007 erstmals wieder übertroffen. Die Sparer in den untersuchten Ländern sind demnach so reich wie nie zuvor. In die Berechnungen fließt jedoch kein Immobilienbesitz ein, und die Zahlen sind nicht inflationsbereinigt.
Immer mehr Haushalte in Schwellenländer schaffen es, in die globale Vermögensmittelschicht aufzuschließen. Laut des Reports der Allianz gehört 2010 dazu, wer ein Brutto-Geldvermögen zwischen 6000 und 36.200 Euro besitzt. Von weltweit 500 Millionen in dieser Gruppe leben 300 Millionen nicht in alten Industrieländern.
  • FTD.de, 14.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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