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Merken   Drucken   13.07.2012, 16:41 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Bank of England spendiert 80 Mrd. Pfund für Kredite

Die britische Notenbank stemmt sich gegen die Konjunkturflaute: Nach vergeblichen Versuchen, die Kreditvergabe anzuregen, soll billiges Geld diesmal zwingend an Unternehmen und Verbraucher weitergereicht werden.

Großbritannien unternimmt einen neuen Versuch zur Ankurbelung der Kreditvergabe. Die Regierung und die Notenbank des Landes wollen in den kommenden eineinhalb Jahren 80 Mrd. Pfund  in die Hand nehmen, um Banken zur Bewilligung von Krediten an Unternehmen und Haushalte zu ermuntern. Das Land sei angesichts der Schuldenkrise auf dem europäischen Festland nicht machtlos, sagte Finanzminister George Osborne am Freitag bei der Vorstellung des Programms. Nach den bisher vergeblichen Versuchen, die Kreditvergabe anzuregen, soll es das billige Geld diesmal nur unter dem Nachweis geben, dass es tatsächlich an Unternehmen und Verbraucher weitergereicht wird. Zentralbankchef Mervyn King räumte dennoch ein, dass ein Erfolg nicht garantiert sei.

Um der britischen Wirtschaft wieder auf die Beine zu verhelfen, sollen die Finanzhäuser den Plänen zufolge bis zu fünf Prozent ihrer bereits existierenden Ausleihungen bei der Bank of England zu extrem günstigen Bedingungen bekommen. Wie die Notenbank mitteilte, beträgt der Zins für das Geld nur 0,25 Prozent und liegt damit unter dem Leitzins von 0,5 Prozent. Dieser niedrige Zins ist jedoch an Bedingungen geknüpft. Die Institute kommen nur in den Genuss, wenn sie das Geld auch tatsächlich verleihen und in die Wirtschaft pumpen. Tun sie das nicht, droht ihnen ein deutlich höherer Zins von 1,5 Prozent. Vor allem kleinen Unternehmen und Erstkäufern von Immobilien soll mit der Initiative geholfen werden. Gerade diese beiden Gruppen sind besonders von der Zurückhaltung der Banken betroffen.

Großbritannien steckt bereits zum zweiten Mal in der Rezession. Die Wirtschaft ist relativ einseitig auf den riesigen Finanzsektor - der Bankenplatz London ist das mit Abstand größte Finanzzentrum Europas - ausgerichtet und fürchtet eine Ansteckung seiner Banken, sollten die Schuldenprobleme in der Euro-Zone überhand nehmen. Auch dort ist die Kreditvergabe schwach.

Erst vor einer Woche hat die britische Zentralbank im Kampf gegen die Rezession und aus Angst vor einer Ansteckung durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone ihr Anleihekaufprogramm um 50 Mrd. auf 375 Mrd. Pfund aufgestockt. Es ist bereits das dritte Mal, dass die BoE zu diesem Mittel greift. Notenbankchef King hat erst kurz zuvor mit Blick auf die Euro-Krise von einer "dunklen Wolke der Unsicherheit" gesprochen, wegen der Haushalte und Unternehmen nicht mehr konsumieren oder investieren wollten. Zudem stiegen die Finanzierungskosten der Banken zuletzt deutlich an.

Die Banken selber betonen, dass gerade die von King angesprochene Unsicherheit sie von der Kreditvergabe abhält. King und Osborne haben bereits im Juni signalisiert, dass sie dagegen etwas unternehmen wollten. Damals hatten die Aktien britischer Banken deutlich zugelegt. Die Bekanntgabe der Details zeigte am Markt hingegen am Freitag wenig Wirkung. Royal Bank of Scotland  legten 0,3 Prozent zu, Barclays  notierten unverändert und Lloyds  lagen minimal im Minus.

  • FTD.de, 13.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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