In der Debatte um die "Bazooka", also den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer blieb Draghi bei seiner Linie. Ein Milliardenprogramm nach Vorbild der amerikanischen Fed, die allein dieses Jahr für 600 Mrd. Dollar US-Treasuries erwarb, lehnte er strikt ab. Die Bank müsse innerhalb der EU-Verträge arbeiten, die eine Staatsfinanzierung über die Notenbank verbieten, sagte der EZB-Präsident. "Der EZB ist die Finanz-Stabilität wichtig, aber die Glaubwürdigkeit der Institution darf nicht geschwächt werden." Mit diesen Worten wehrte Draghi Begehrlichkeiten ab, die Schleusen zu öffnen.
Problem der Dollar-Versorgung
Sorge macht der EZB die Refinanzierungslage vieler Institute. "Die Situation könnte noch schwieriger werden", warnen die Währungshüter. Denn die Schwankungen an den Märkten und der Rückzug vieler US-Geldmarktfonds aus Europa mit Folgen für die
Dollar-Versorgung seien ein fortgesetztes Problem.
Der EZB-Rat hatte zur Linderung der Schwierigkeiten der Banken zuletzt eine massive Ausweitung seiner Liquiditätshilfen für die Geldhäuser beschlossen, damit mehr Geld in den Finanzkreislauf gerät. Zudem kappte die Zentralbank die Mindestreservepflicht um die Hälfte auf ein Prozent der Einlagen - ein Schritt, durch den dem Finanzsystem von jetzt auf gleich gut 100 Mrd. Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Die wichtigsten globalen Notenbanken pumpen zudem weltweit Dollars in das System.
EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sagte, sein Haus stelle den Banken die Liquidität zur Verfügung, damit diese das Geld an die Realwirtschaft weiter leiteten und "keine Entschuldigung" hätten, für zu wenig Kredit. Allerdings bleibe die Lage am Kreditmarkt angespannt: "Wir sehen mehr Anzeichen für eine Kreditklemme als für einen Boom."