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Merken   Drucken   19.12.2011, 21:22 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: EZB fürchtet das Lehman-Gespenst

Die Zentralbank warnt als Folge des Euro-Desasters vor Zuständen wie nach der Subprime-Krise. Ihr Präsident Draghi prophezeit zunehmende Kreditknauserei. Seine Institution rechnet Szenarien nach einem "AAA"-Verlust diverser Staaten durch.
© Bild: 2011 Jonathan Ernst / Reuters
Die Zentralbank warnt als Folge des Euro-Desasters vor Zuständen wie nach der Subprime-Krise. Ihr Präsident Draghi prophezeit zunehmende Kreditknauserei. Seine Institution rechnet Szenarien nach einem "AAA"-Verlust diverser Staaten durch.
Die Finanzstabilität im Euroraum ist nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) so stark gefährdet wie nie seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Die Spannungen auf dem Markt für Staatsanleihen hätten sich - gepaart mit schon vorhandenen Problemen vieler Geschäftsbanken - derart verstärkt, "dass sie Dimensionen einer systemischen Krise annahmen, wie sie seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor drei Jahren nicht zu beobachten war", schreibt die EZB in ihrem Finanzstabilitätsbericht.
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"Die Risiken für die Finanzstabilität der Euro-Zone haben in der zweiten Jahreshälfte 2011 beträchtlich zugenommen", lautet der Befund der EZB. Die Turbulenzen um verschuldete Euro-Staaten griffen zunehmend auf Geschäftsbanken über, die Konjunkturaussichten trübten sich ein. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs von Großbanken sei zuletzt gestiegen, heißt es deshalb weiter.
Im Sog der Schuldenkrise werden die Banken im Euro-Raum nach Ansicht von EZB-Chef Mario Draghi schon zu Beginn des kommenden Jahres in schwieriges Fahrwasser geraten. "Besonders im ersten Quartal wird es bei der Refinanzierung eng werden", sagte er vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Die jüngsten Krisenmaßnahmen der EZB seien darauf ausgerichtet, eine Kreditklemme zu verhindern, die in eine Rezession münden könne. Die wirtschaftliche Erholung im kommenden Jahr werde allenfalls "sehr schrittweise" vorankommen.
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In der Debatte um die "Bazooka", also den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer blieb Draghi bei seiner Linie. Ein Milliardenprogramm nach Vorbild der amerikanischen Fed, die allein dieses Jahr für 600 Mrd. Dollar US-Treasuries erwarb, lehnte er strikt ab. Die Bank müsse innerhalb der EU-Verträge arbeiten, die eine Staatsfinanzierung über die Notenbank verbieten, sagte der EZB-Präsident. "Der EZB ist die Finanz-Stabilität wichtig, aber die Glaubwürdigkeit der Institution darf nicht geschwächt werden." Mit diesen Worten wehrte Draghi Begehrlichkeiten ab, die Schleusen zu öffnen.
Problem der Dollar-Versorgung Sorge macht der EZB die Refinanzierungslage vieler Institute. "Die Situation könnte noch schwieriger werden", warnen die Währungshüter. Denn die Schwankungen an den Märkten und der Rückzug vieler US-Geldmarktfonds aus Europa mit Folgen für die Dollar-Versorgung  seien ein fortgesetztes Problem.
Der EZB-Rat hatte zur Linderung der Schwierigkeiten der Banken zuletzt eine massive Ausweitung seiner Liquiditätshilfen für die Geldhäuser beschlossen, damit mehr Geld in den Finanzkreislauf gerät. Zudem kappte die Zentralbank die Mindestreservepflicht um die Hälfte auf ein Prozent der Einlagen - ein Schritt, durch den dem Finanzsystem von jetzt auf gleich gut 100 Mrd. Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Die wichtigsten globalen Notenbanken pumpen zudem weltweit Dollars in das System.
EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sagte, sein Haus stelle den Banken die Liquidität zur Verfügung, damit diese das Geld an die Realwirtschaft weiter leiteten und "keine Entschuldigung" hätten, für zu wenig Kredit. Allerdings bleibe die Lage am Kreditmarkt angespannt: "Wir sehen mehr Anzeichen für eine Kreditklemme als für einen Boom."

Teil 2: Notenbank fordert schnelle Umsetzung der EU-Beschlüsse

  • Reuters, 19.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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