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Merken   Drucken   03.02.2012, 18:27 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Griechen horten zig Milliarden Bargeld daheim

In Hellas geht nicht nur die Angst um vor der Staatspleite. Die Bevölkerung hat auch Bammel vor einer Rückkehr zur Drachme. Sie heben deshalb  gewaltige Summen von ihren Konten ab - und bunkern das Geld teils an nicht wirklich sicheren Orten.
© Bild: 2012 Reuters/YIORGOS KARAHALIS
In Hellas geht nicht nur die Angst um vor der Staatspleite. Die Bevölkerung hat auch Bammel vor einer Rückkehr zur Drachme. Sie heben deshalb gewaltige Summen von ihren Konten ab - und bunkern das Geld teils an nicht wirklich sicheren Orten.
Aus Angst vor einem Staatsbankrott und der Wiedereinführung der alten Landeswährung, der Drachme, haben die Griechen nach Angaben der Athener Regierung zweistellige Milliardenbeträge in bar gehort. Seit 2009 hoben sie nach Worten von Finanzminister Evangelos Venizelos rund 65 Mrd. Euro von ihren Bankkonten ab. Davon seien 16 Mrd. Euro ins Ausland geflossen. "49 Mrd. Euro sind in Sicherheitsfächern, in Truhen, in Kellern und Dachböden oder unter dem Bett versteckt", mutmaßte Venizelos am Freitag im Athener Parlament.
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Wahrscheinlich ist allerdings, dass ein Teil dieser Ersparnisse längst ausgegeben wurde: Griechenland steckt seit 2008 in einer Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 17 Prozent. Hinzu kamen in den vergangenen zwei Jahren kräftige Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst. Sie gehörten zu den Auflagen für das 110 Mrd. Euro schwere Rettungspaket, das die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds (IWF) 2010 für Griechenland schnürten.
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Von den ins Ausland abgeflossenen Mitteln wurden nach Venizelos' Angaben mehr als 5 Mrd. Euro bei britischen Banken angelegt. Knapp 1,6 Mrd. Euro seien in der Schweiz gelandet. Bekannt ist, dass Griechen - teils erfolgreich - versuchen, ihr Geld in Immobilien europäischer Großstädte zu stecken, darunter London und Berlin.
Bankenexperten gehen davon aus, dass weitaus höhere Summen ins Ausland verschoben wurden - Geld, von dem das Finanzministerium von vornherein nichts erfuhr. Die aus Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft stammenden Geldanlagen griechischer Bürger im Ausland belaufen sich Schätzungen zufolge auf mehr als 200 Mrd. Euro.
Hoffnungen auf ein baldiges Ende der schwierigen Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland erhielten einen Rückschlag. Das für Montag angesetzte Sondertreffen der Euro-Finanzminister, das die ursprünglich für das Wochenende erwarteten Beschlüsse absegnen sollte, ist abgesagt worden. Nach internen EU-Schätzungen muss das zweite Paket deutlich größer ausfallen als die bislang angesetzten 130 Mrd. Euro, wahrscheinlich werden es 15 Mrd. Euro mehr sein. Der zusätzliche Betrag ergibt sich im wesentlichen aus dem Rekapitalisierungsbedarf griechischer Banken.
Venizelos rief vor diesem Hintergrund die Europäische Zentralbank (EZB) auf, sich am geplanten Schuldenerlass für Griechenland zu beteiligen. "Parallel zu den Verhandlungen mit privaten Gläubigern muss es Verhandlungen über eine Beteiligung des öffentlichen Sektors geben. Das bedeutet, dass die EZB mobilisiert werden muss", sagte er.
Grund für die Absage des Euro-Sondertreffens ist nach Informationen der Financial Times Deutschland, dass Griechenland mit den Wirtschaftsreformen nicht vorankommt, die die Troika aus EU-Kommision, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF im Gegenzug zu den neuen Notdarlehen von Athen verlangt. Ein neuer Termin für das Treffen wurde nicht festgelegt. Der Euro verlor als Reaktion auf die Verschiebung Gewinne, die er erst wenige Minuten zuvor nach Bekanntgabe neuster US-Arbeitsmarktdaten erzielt hatte.

Teil 2: Schäuble nennt Beratungen wenig sinnvoll

  • FTD.de, 03.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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