FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Spanien dringt auf dickeres Finanzpolster für Euro-Rettung

Merken   Drucken   15.12.2010, 16:51 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise in Europa: Spanien dringt auf dickeres Finanzpolster für Euro-Rettung

Finanzministerin Salgado nennt eine Aufstockung sinnvoll - kurz nachdem die Ratingagentur Moody's mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit ihres Landes gedroht hat. Auch das benachbarte Portugal kämpft um das Vertrauen der Märkte.
Das hoch verschuldete Spanien plädiert für eine Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms. Eine Aufstockung des Volumens wäre vernünftig, sagte Finanz- und Wirtschaftsministerin Elena Salgado am Mittwoch in Madrid. Nur wenige Stunden zuvor hatte die Ratingagentur Moody's  mitgeteilt, sie erwäge eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens. Dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone unter den Rettungsschirm flüchten müsse, sei aber nicht zu erwarten. "Moody's sieht Spaniens Solvenz nicht bedroht und geht auf Grundlage seines Basisszenarios auch nicht davon aus, dass Spanien um Hilfe aus dem EU-Rettungsfonds EFSF bitten muss", schrieb die Ratingagentur.
Moody's überprüft Spaniens Kreditwürdigkeit erneut   Moody's überprüft Spaniens Kreditwürdigkeit erneut
Bislang hat als einziger Staat Irland den 750 Mrd. Euro schweren Rettungsschirm in Anspruch genommen. Dennoch haben sich in der Vergangenheit bereits der Internationale Währungsfonds (IWF) und die belgische Regierung für eine Aufstockung des Fonds ausgesprochen, um die Märkte zu beruhigen. Das Thema wird am Donnerstag auch den EU-Gipfel in Brüssel beschäftigen. Viele Analysten halten einen Hilfsantrag Portugals nur noch für eine Frage der Zeit.
Wie groß das Misstrauen der Investoren gegenüber dem ärmsten Land Westeuropas mittlerweile ist, wurde am Mittwoch bei einer Schatzwechsel-Auktion deutlich. Die Regierung in Lissabon konnte Dreimonats-Papiere über 500 Mio. Euro zwar im gewünschten Volumen platzieren, musste dafür allerdings einen Zinssatz von 3,4 Prozent bieten. Das ist mehr, als die Bundesregierung derzeit für Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit aufbieten muss. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Mittwoch bei 3,0 Prozent.
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Spanien will am Donnerstag Staatsanleihen im Wert von 3 Mrd. Euro begeben. Wegen der Laufzeiten von zehn und 15 Jahren gilt die Emission dieser Papiere als besonders kritisch: Für ein derart langfristiges Engagement dürften die Anleger hohe Zinsen fordern. Nach der Warnung von Moody's, die aktuelle Ratingnote von "Aa1" werde überprüft, stiegen die Renditen auf bereits ausgegebene zehnjährige Staatsanleihen im Handel um 0,1 Prozentpunkte auf bis zu 5,61 Prozent. Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher. Im Tagesverlauf gingen die Renditen aber auf 5,46 Prozent zurück.
Moody's hatte Spanien erst Ende September das Spitzenrating "AAA" entzogen. Dass nun eine weitere Herabstufung geprüft wird, begründete die Ratingagentur mit dem hohen Finanzbedarf Spaniens, "nicht nur für die Zentralregierung, sondern auch für die Regionen und die Banken".
Laut einer bereits am Montag von Moody's veröffentlichten Schätzung müssen die spanischen Institute ihr Eigenkapital um insgesamt 17 Mrd. Euro aufstocken, um die ab Januar 2013 geltende Quote von acht Prozent der risikogewichteten Aktiva zu erfüllen. Die Ratingagentur warnte überdies, in den Bilanzen der Banken schlummerten noch erhebliche Risiken: Insgesamt drohten Verluste in Höhe von 176 Mrd. Euro, von denen die Institute erst 88 Mrd. abgeschrieben hätten.

Teil 2: Blick auf die Neuverschuldung

  • FTD.de, 15.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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