Aus kaum einem anderen Land kommt so harte Kritik an den Euro-Krisenstaaten wie aus Österreich. Die Politiker der Alpenrepublik sehen sich als Europas Musterschüler. Dabei zeigt ein genauer Blick, dass auch in der Donaurepublik nicht alles Gold ist, was glänzt. von Frank Bremser, Frankfurt
Wenn es um Kritik an den Sparbemühungen und der Haushaltslage in Griechenland oder Portugal geht, ist kaum jemand so harsch in seinem Ton wie der Chef der österreichischen Notenbank Ewald Nowotny. "Griechenland hat die Auflagen zuletzt offenbar nicht ausreichend erfüllt", ließ er sich zuletzt zitieren - zu einem Zeitpunkt, als die Wortwahl anderer EZB-Funktionäre noch deutlich zurückhaltender war. Und auch als es um neue Hilfen für den Ägaisstaat ging, hielt der 66-Jährige mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. "Der erste Schritt muss auf der griechischen Seite sein. Erst wenn man hier eine klare Sicht hat, dann muss man überlegen, ob eventuell noch zusätzliche Ergänzungen zum bestehenden Programm notwendig sind."
Ewald Nowotny
Und nicht nur die Notenbanker der Alpenrepublik präsentieren sich derzeit als harte Hunde: "Bevor Griechenland die Hausaufgaben nicht macht, kann kein Geld fließen", sagte Finanzministerin Maria Fekter. "Wenn man sich in den Euro hineingeschwindelt hat, muss man eben jetzt seine Hausaufgaben nachholen." Sie warf der Regierung in Athen vor, zu Privatisierungen bisher nur leere Versprechen abgegeben zu haben. Das Land verharre mit einem extrem hohen Staatsanteil in einer Wirtschaftsstruktur, wie sie Österreich in den 70er-Jahren aufgewiesen habe.
Deutschlands Nachbar sonnt sich derzeit in dem Gefühl, seit diesem Zeitpunkt wirtschaftlich sehr vieles richtig gemacht zu haben: Es gehört zu den sechs Euro-Ländern mit besten Noten der Ratingagenturen für seine Staatsanleihen und somit zu den Musterschülern der Haushaltspolitik. Nach den Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat steht Österreich bei nahezu jeder wirtschaftlichen Kennzahl - von Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bis zur Arbeitsproduktivität - besser da als der Durchschnitt aller Staaten der Eurozone und erst recht als der Durchschnitt aller 27 EU-Staaten.
Den lange kritisch beäugten großen Nachbarn Deutschland hat man sowieso in vielen Bereichen abgehängt - zumindest was Pro-Kopf Zahlen anbelangt. Wie stark das Land wirtschaftlich inzwischen geworden ist, zeigt sich auch daran, dass im Ausland gerne um Arbeitskräfte geworben wird - eben auch in Deutschland. Sächsisch auf einer österreichischen Almhütte gibt es von Bedienungen deshalb häufiger zu hören.
Zeichen der Zeit erkannt
Vor allem nach dem Zusammenbruch des Ostblocks haben die Unternehmen der Alpenrepublik schneller als viele andere die Chancen erkannt, die sich durch die Grenzöffnung bieten. In vielen Bereichen gehören die Unternehmen aus dem 8-Millionen-Einwohner-Land zu den wichtigsten Playern in den Staaten östlich von Oder und Donau. Hatte man in Deutschland gehofft, dass Berlin das Tor nach Osteuropa werden könnte, musste man sich schnell eingestehen, dass dies dann doch Wien ist. Genau diese Fokussierung auf Osteuropa brachte aber in der Finanzkrise gewaltige Probleme mit sich.
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