Egal, wie es mit Griechenland weitergeht, die Europäer werden finanziell dafür gerade stehen müssen - und das wird teuer. Kommt es zu keinem Schuldenschnitt, muss voraussichtlich das Rettungspaket für Griechenland aufgestockt werden. Würden die Gläubiger aber gezwungen, Athen einen Teil seiner Schulden zu erlassen, wird es erst recht teuer.
Die Citigroup schätzt, dass etwa ein Drittel der Anleihen des Landes im Volumen von etwa 109 Mrd. Euro von ausländischen Investoren außerhalb des Bankensektors gehalten wird, also von Investment- und Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherungen. Griechische Finanzinstitute halten etwa 29 Prozent. Bei der EZB und den 17 nationalen Zentralbanken belaufe sich das Risiko aus griechischen Staatsanleihen auf etwa 130 Mrd. Euro, sagt Andrew Bosomworth, Fondsmanager bei der Allianz-Tochter Pimco.
Bei einem scharfen Schuldenschnitt ist es deshalb sehr wahrscheinlich, dass viele Länder zum einen ihre eigenen Zentralbanken rekapitalisieren müssen und zudem wieder Banken retten müssen. Ganz zu schweigen vom griechischen Bankensystem: "Wenn diese (die griechischen Staatsanleihen) um die Hälfte abgeschrieben werden, vernichtet es den gesamten Kapitalstock des griechischen Bankensystems", sagt Klaus Baader, Ökonom bei Société Générale in London.
Die Nachrichtenagentur Reuters rechnet vor: Wird durch einen so genannten "Haircut" der Schuldenstand von Griechenland von mehr als 140 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf ein verträgliches Niveau von 90 Prozent gedrückt, würde die EZB einen Verlust von 12,3 Mrd. Euro erleiden. Würden auch die anderen Krisenstaaten Irland und Portugal eine Umschuldung durchziehen, kämen schnell noch ein paar Milliarden Euro Verlust obendrauf. Und das bei einem EZB-Eigenkapital von knapp 11 Mrd. Euro. Um nicht selbst pleite zu gehen, müssten die Währungshüter dann ihre Kapitaldecke erhöhen.
Kredite der EZB an Geschäftsbanken in Gefahr
Gefahr droht der EZB aber vor allem dann, wenn der Zahlungsausfall von Staaten mit einem Zusammenbruch des jeweiligen nationalen Bankensystems einhergeht. Die Zentralbanken der Euro-Länder haben griechischen, irischen und portugiesischen Banken 242 Mrd. Euro geliehen. Dafür erhielten sie im Gegenzug Sicherheiten, die von Staatsanleihen bis zu Hypothekendarlehen reichen. Würden 27 Prozent der EZB-Kredite platzen, würde das gesamte Kapital des Eurosystems aufgezehrt, also das der EZB und der Notenbanken der 17 Euro-Länder. Die Notenbanken könnten dann entweder Geld drucken - oder die Steuerzahler müssten für die Verluste aufkommen.
Angesichts dieses Szenarios setzt die Mehrzahl der Politiker derzeit noch darauf, dass Griechenland mithilfe der europäischen Notkredite seine Anleihen zurückzahlen kann. Von den derzeit im Umlauf befindlichen griechischen Anleihen mit einem Gesamtwert von geschätzten 270 Milliarden Euro läuft etwa ein Drittel bis Ende 2013 aus.