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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   20.02.2012, 18:19 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Barry Eichengreen - Die Börsensteuer ist ein Fehler

Hinter der Finanzsteuer stecken politische, nicht wirtschaftliche  Beweggründe. Anders ist die Begeisterung von Merkel und Sarkozy nicht zu erklären. Die Abgabe hilft weder bei der Euro-Rettung, noch beim Eindampfen des aufgeblähten Finanzsektors - im Gegenteil.
© Bild: 2011 Richard Morgenstein
Kommentar Hinter der Finanzsteuer stecken politische, nicht wirtschaftliche Beweggründe. Anders ist die Begeisterung von Merkel und Sarkozy nicht zu erklären. Die Abgabe hilft weder bei der Euro-Rettung, noch beim Eindampfen des aufgeblähten Finanzsektors - im Gegenteil. von Barry Eichengreen 
Barry Eichengreen ist Professor für Volkswirtschaft und Politologie an der University of California in Berkeley.

Endlich! Europas Staats- und Regierungschefs haben ihren streng geheimen Plan zur Beilegung der Euro-Krise enthüllt. Es ist - Trommelwirbel - eine Abgabe auf Finanztransaktionen, eine Variante der 1972 von Nobelpreisträger James Tobin vorgeschlagenen Steuer.
Heute, 40 Jahre später, schlägt die Europäische Kommission eine - von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel befürwortete - Umsatzsteuer auf alle Finanztransaktionen vor. Diese Steuer soll variieren von 0,1 Prozent auf Aktiengeschäfte bis 0,01 Prozent auf Geschäfte mit Finanzderivaten wie Futures und Credit Default Swaps (CDS). Kann die Steuer nicht welt- oder auch nur europaweit eingeführt werden, wollen Frankreich und Deutschland die Sache im Alleingang durchziehen. Sarkozy will die Börsensteuer schon im August einführen.
Frankreichs Börsensteuer ist ...

 

Frankreichs Börsensteuer ist ...

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Wie genau allerdings eine Steuer auf Finanztransaktionen dazu beitragen soll, Europas Misere zu beenden, ist ein Rätsel. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge würde eine solche Steuer, selbst wenn sie EU-weit eingeführt würde, gerade mal 50 Mrd. Euro jährlich in die Kassen spülen. Das ist mickrig im Vergleich zu den Schuldenlasten und Haushaltsdefiziten in der Euro-Zone. Außerdem würde es bei Weitem nicht ausreichen, Europas permanentes Rettungssystem, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), zu finanzieren, der mit 500 Mrd. Euro kapitalisiert werden soll.
Auf wen würden Sie setzen: Behörden oder Finanzjongleure?
Hinzu kommt, dass der von der Europäischen Kommission prognostizierte Betrag von 50 Mrd. Euro die voraussichtlichen Einnahmen sicherlich überschätzt. Führt Frankreich als einziges Land die Steuer ein, wird sich der Handel mit Aktien und Derivaten einfach nach Frankfurt verlagern. Führt die gesamte Euro-Zone die Steuer ein, verlagern sich die Transaktionen nach London. Und führen alle EU-Mitgliedsstaaten die Steuer ein - angesichts des Widerstands Großbritanniens die reinste Fantasie - wird sich der Markt eben nach New York und Singapur verlagern.
Europas Staats- und Regierungschefs behaupten, sie können Mechanismen schaffen, mit denen gewährleistet wird, dass die Einwohner ihrer Staaten die Steuer zahlen, egal, wo die Geschäfte stattfinden. Banken, so heißt es, arbeiten aber bereits an neuen Instrumenten, mit denen ihre Kunden die Steuer umgehen können. Auf wen würden Sie ihr Geld setzen - auf die Behörden oder auf die Finanzjongleure?

Teil 2: Das hätte Tobin nicht gewollt

  • FTD.de, 20.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 26.02.2012 15:17:28 Uhr   David: Laecherliche Argumentationen

    Ich frage mich, wenn noch nicht mal klar ist, wie die Steuer ausgestaltet word, wie dann die so genialen Finanzprofis bereits im Vorfeld Instrumente entwickeln können. Die erste Strategie ist doch dagegen zu wettern und sich nicht auf das vermeintliche vorzubereiten.

    Federigeren kann ich mich noch gut an Zeiten erinnern, als Banken 1% oder sogar mehr pro Transaktionen als gebühren verlangt haben, heute haben wir vielleicht 0,3% -0,5%. jetzt mal allen ernstes, soll der aufschlag auf Aktien von 0,1% mich davon abhalten in Aktien zu investieren? Jeder Fonds unser noch so genialen Aktienstrategen und Fondsspezialisten nimmt irgendwas um die 1-3% jährlich als gebühr, manche Ausgabeaufschlage liegen bei 5% ... Also bitte Herr Eichengreen lassen sie mal die Kirche im Dorf!

  • 26.02.2012 10:55:51 Uhr   lichtderaufrechten: Dr. Norbert Leineweber
  • 25.02.2012 13:54:23 Uhr   Waldmeister: Nehmt die Spekulanten aus dem Spiel!
  • 25.02.2012 13:32:56 Uhr   Dr.NorbertLeineweber: Die Steuer ist eine Verblödungssteuer, weil ...
  • 25.02.2012 11:30:31 Uhr   Logo23: Tobin-Steuer
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