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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   02.01.2012, 15:20 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: BIP-Bonds verhindern die Pleite

Die Euro-Staaten brauchen gegen die Krise nicht nur Sparprogramme, sondern auch eine Wachstumsstrategie: durch Anleiheumtausch und konjunkturabhängige Optionsscheine.
© Bild: 2011 DPA/Bildfunk/Julian Stratenschulte
Kommentar Die Euro-Staaten brauchen gegen die Krise nicht nur Sparprogramme, sondern auch eine Wachstumsstrategie: durch Anleiheumtausch und konjunkturabhängige Optionsscheine. von Jim Leitner, Nuno Monteiro und Ian Shapiro
Jim Leitner ist Präsident des Fondsmanagers Falcon Management.
Nuno Monteiro ist Professor für Politikwissenschaft an der Yale University in Connecticut/USA.
Ian Shapiro ist Politikprofessor in Yale und Mitglied des Thinktanks Council on Foreign Relations.
Europas Staatsschuldenkrise zieht sich inzwischen derart lange hin, dass manche es als gegeben hinnehmen, dass die Euro-Zone sich weiter von Scheinlösung zu Scheinlösung hangelt. Doch falls es in den nächsten Monaten einer der angeschlagenen südeuropäischen Volkswirtschaften nicht gelingt, ihre Kredite zu prolongieren, werden die Folgen schnell von der Euro-Zone auf das globale Finanzsystem übergreifen - mit Konsequenzen, die viel gravierender sein werden als alles, was auf den Crash von Lehman Brothers im September 2008 folgte.
Ist die Drohung von S&P für die Euro-Zone gerechtfertigt?

 

Ist die Drohung von S&P für die Euro-Zone gerechtfertigt?

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Trotz des EU-Gipfels im Dezember schafft die Euro-Zone es nicht, das Vertrauen der Finanzmärkte zu stärken. Nach dem Gipfel fiel der Wechselkurs des Euro auf seinen bisher niedrigsten Stand 2011, während die Renditen fünfjähriger italienischer Staatsanleihen einen neuen Höchststand markierten (fast 6,5 Prozent). In Frankreich erklärte der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande, die Gipfelübereinkunft sei "nicht die richtige Antwort", weil "wir ohne Wirtschaftswachstum keines der Defizitziele erreichen werden".
Hollande hatte recht. Seit Ausbruch der Krise in Griechenland vor fast zwei Jahren haben es die Staats- und Regierungschefs der EU nicht geschafft, eine Lösung vorzuschlagen, die Sparmaßnahmen mit Wirtschaftswachstum ins Gleichgewicht bringt. Wann immer die Märkte ihre Skepsis über die Überlebensfähigkeit des Euro signalisieren, überschlagen sich die europäischen Führer darin, deren Vertrauen durch Sparmaßnahmen wiederherzustellen - und ignorieren dabei die grundlegende Notwendigkeit, Wachstum zu schaffen. Das Dringliche lässt keinen Raum für das lediglich Wichtige. Doch ohne Wachstum sind die Aussichten der EU düster.
Seit Beginn der Krise wird so getan, als sei die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums in den europäischen Schuldenländern allein deren Problem. Für die Gläubiger, insbesondere die deutschen Kreditgeber, hatte es Priorität, Sparmaßnahmen und Disziplin im Süden der Euro-Zone durchzusetzen. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkels verständlicher Wunsch, die Verschwender zu disziplinieren, sägt am letzten verbleibenden Ast, auf dem die deutschen Banker und Steuerzahler hocken. Merkels Strategie ignoriert: Ein großer Teil der deutschen Exporte - und auch der der übrigen gesunden Volkswirtschaften der Euro-Zone - geht in die Euro-Märkte, einschließlich den Süden.

Teil 2: Gesamtrendite von mehr als 500 Prozent

  • FTD.de, 02.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 08.01.2012 12:21:24 Uhr   vriegel: BIP-Anleihen / überlegenswerter Vorschlag

    Der Vorschlag der Wirtschaftsweisen, dass die bestehenden Staatsschulden der Euro-Länder teilweise in gesamtschuldnerische Haftung übergehen sollte, geht ja in die selbe Richtung. Der Vorschlag mit dem BIP-Anleihen ist sozusagen eine Erweiterung oder auch eine Variante dessen. Mal abgesehen davon, dass eine gegsamtschuldnerische Haftung in Deutschland nur schwer durchsetzbar wäre, nehme ich an, dass in den betroffenen Ländern ebenfalls Widerstand aufkommen dürfte wenn klar wird, dass zukünftig Deutschland an derem BIP-Wachstum mitverdienen soll. Für Staaten wie Griechenland und Portugal dürfte das aber wohl die beste Lösung sein.

    Ich persönlich denke, dass es im Interesse aller EU-Staaten wäre, wenn man stichtagsbezogen und einmalig alle Schulden, die über (sagen wir mal) 50 - 55 % des jeweiligen nationalen BIP's liegen in einen europäischen Schuldentilgungsfonds überträgt. Da dort alle gemeinsam haften, dürfte die Refinanzierung dieses geschlossenen Fonds, der zudem keine Neuverschuldung aufnehmen darf und einen Schuldentilgungsplan über 20-25 Jahre beinhaltet, keine probleme machen und ein AAA-Rating bekommen.

    Die Zins- und Tilgungszahlungen müssen natürlich so ausgelegt sein, dass jeder Staat seine jeweiligen Zahlungen stemmen kann. Ggf. müssten einzelne Staaten eine Sonderabgabe einführen, um die Ratenzahlungen zu finanzieren. Dabei könnte man auch die BIP-Anleihen einsetzen. Ich persönlich würde aber mehr davon halten, wenn die jeweiligen staaten mit Ihrem "Tafelsilber" dafür haften, also harte Sicherheiten an den Fonds überschreiben. Wann und wie es dann ggf. zu Verwetungen kommen könnte und wie die von Statten gehen, müsste man sich noch überlegen. In jedem Fall muss die Drohkulisse stark genug sein, dass es nie dazu kommt....

    Letztendlich wäre es wohl Verhandlungssache, in welcher Variante die "Absicherung" der niedrigen Zinsen für und durch die schwachen Staaten erfolgen soll. An der Tatsache, dass es diese Haftungsübernahme der Gemeinschaft früher oder später geben muss, führt wohl kein Weg vorbei. Das Problem ist ja auch nicht die Haftung an sich. Ein Problem würde es nur werden, wenn die Mechanismen nicht so wären, dass jeder Staat weiterhin seine Schulden selbst abbezahlt. Wenn man hier einen halbwegs fairen Ausgleich schafft, dann funktioniert das auch. Auf volkswirtschaftlicher Ebene profitiert Deutschland sowieso vom EURO und zukünftig wohl auc hdavon, dass wir hochqualifizierte Arbeiter aus den südlichen EU-Staaten bei uns anstellen dürfen.

  • 02.01.2012 16:58:29 Uhr   pema: BIP-Anleihen
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