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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   22.01.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Joseph Stiglitz - 2012 könnte es noch schlimmer kommen

Im vergangenen Jahr sind zahlreiche Hoffnungen enttäuscht worden. Wenn sich die Politik weiterhin von überholten Ideologien und Lobbyisten leiten lässt, verschärft sich die Lage noch.
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Kommentar Im vergangenen Jahr sind zahlreiche Hoffnungen enttäuscht worden. Wenn sich die Politik weiterhin von überholten Ideologien und Lobbyisten leiten lässt, verschärft sich die Lage noch. von Joseph E. Stiglitz 
Joseph Stiglitz ist Professor an der Columbia University und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften

2011 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem viele der sonst so optimistischen Amerikaner begannen, die Hoffnung zu verlieren. Präsident John F. Kennedy sagte einmal, dass die Flut alle Boote anhebe. Aber jetzt läuft das Wasser ab, und die Amerikaner stellen fest: Es wurden nicht nur die Boote mit den größeren Masten deutlich höher angehoben, nein, viele kleinere Boote wurden im Fahrwasser der größeren zerschmettert.
Die Euro-Krise wird 2012...

 

Die Euro-Krise wird 2012...

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Für den kurzen Moment, als tatsächlich Flut herrschte, glaubten Millionen Menschen, sie hätten eine echte Chance, den amerikanischen Traum zu realisieren. Mittlerweile schwinden auch diese Träume. Die Ersparnisse derer, die 2008 oder 2009 ihre Arbeit verloren hatten, waren bis 2011 aufgezehrt. Auch mit dem Arbeitslosengeld war Schluss. Die Firmen stellen nicht schnell genug wieder ein, um Schritt zu halten mit der Zahl derjenigen, die normalerweise auf den Arbeitsmarkt drängen würden. Und die 50-Jährigen haben ohnehin kaum Hoffnung, je wieder einen Job zu bekommen.
Menschen im mittleren Alter, die damit rechneten, für einige Monate ohne Arbeit sein, wurden zwangsweise in Rente geschickt. Junge Menschen, die frisch von der Universität kommen und Zehntausende Dollar Schulden für ihre Ausbildung angehäuft haben, finden keine Arbeit. Menschen, die bei Freunden oder Verwandten eingezogen waren, sind obdachlos geworden. Häuser, die während des Immobilienbooms gekauft worden waren, sind noch immer auf dem Markt oder wurden mit Verlust verkauft. Über sieben Millionen amerikanische Familien haben ihr Heim verloren.
Auch in Europa zeigte sich die Schattenseite des Finanzbooms. Die Unentschlossenheit wichtiger Regierungen im Fall Griechenland und die Vorliebe für Sparpläne haben vergangenes Jahr einen hohen Tribut gefordert. Italien wurde infiziert. Spaniens Arbeitslosenquote, die seit Beginn der Rezession bei knapp 20 Prozent lag, stieg noch höher. Das Undenkbare, das Ende des Euro, wirkte gar nicht mehr so unmöglich.
Und dieses Jahr wird voraussichtlich noch schlimmer. Natürlich ist es möglich, dass die USA ihre politischen Probleme lösen und endlich die Arbeitslosigkeit mithilfe von Konjunkturmaßnahmen auf sechs oder sieben Prozent drücken (eine Rückkehr zu den vier, fünf Prozent, die vor der Krise herrschten, wäre zu viel erwartet). Aber das ist ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Europa erkennt, dass Sparen allein die Probleme nicht lösen wird. Das Gegenteil trifft zu: Sparsamkeit wird die Wirtschaft nur noch schneller abkühlen. Bleibt das Wachstum aus, wird sich die Schuldenkrise - und die Euro-Krise - nur verschlimmern. Und die langwierige Krise, die mit dem Platzen der Immobilienblase 2007 einsetzte, und die nachfolgende Rezession werden fortdauern.

Teil 2: Neutarierung der Weltwirtschaft

  • FTD.de, 22.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.01.2012 19:32:17 Uhr   John Doe: Schattenbankensystem

    Stiglitz spielt auf das Schattenbankensystem an. Zurück zu Lehman, AIG und MF Global und der Kanalisierung von Geldern. Alle drei Zusammenbrüche gingen von London aus. In der unregulierten und undurchsichtigen Welt der Schattenbanken lauert dort ein bisher unbekanntes Monster: Die exotischen “Mehrfachhypotheken”. Alle kennen das Monster, die Mehrfachbeleihung von Sicherheiten, assets uvam.!

    Hat sich jemand jemals gefragt, woher MF Global das Geld für eine Sechs-Milliarden-Dollar-Wette hatte – eine Summe fünfmal so hoch wie der Gesamtwert des Unternehmens. Der IWF hat errechnet, dass Investmentbanken sich vor dem Lehman-Kollaps Geld besorgt haben, indem sie über London aus Sicherheiten ihrer Kunden im Wert von einer Billion Dollar vier Billionen gemacht haben. Volumenschätzungen des Schattensystems gehen davon aus, dass es bis zu 60 Billionen Dollar sind. Bis heute sind die großen Investmenthäuser massiv in dieses Spiel involviert: JP Morgan und Morgan Stanley mit jeweils 410 Milliarden Dollar (314 Milliarden Euro), Credit Suisse mit 354 Milliarden Dollar. Die Fachzeitschrift „Business Law Currents“ hat diese Zahlen für eine ausführliche Analyse des Spiels mit den Mehrfachhypotheken errechnet. „Das Systemrisiko, das die Mehrfachhypotheken erzeugen, ist atemberaubend“. Wenn die Erhebungen der Fachzeitschrift sich bestätigen, dann wurde durch Mehrfachhypotheken schlicht die größte Kreditblase aller Zeiten geschaffen!
    Das Monster hat auch direkte Konsequenzen für die Schuldenkrise der Eurozone. Geht GR Bankrott, dann reißen deren "Peanuts" Staatsschulden den Rest des Pyramidensystems ein. „Business Law Currents“: „Wenn man bedenkt, dass Mehrfachhypotheken den finanziellen Fußabdruck von europäischen Staatsanleihen um mindestens das Vierfache vervielfacht haben könnten, dann könnte der Bankrott eines Eurolandes die Apokalypse bedeuten.“
    Damit erklärt sich auch die Scheu der Politiker GR Pleite gehen zu lassen. Es erklärt auch, warum Banken bei Schuldenschnitten nicht mehr zur Kasse gebeten werden sollen. Schon der Schuldenschnitt, erst recht ein Staatsbankrott könnte das ganz große Pyramidenspiel der globalen Banken zum Einsturz bringen!

  • 23.01.2012 13:58:59 Uhr   Karola Schramm: Alles so gewollt
  • 23.01.2012 12:22:02 Uhr   Europa: 2012 könnte es noch schlimmer kommen
  • 23.01.2012 11:30:39 Uhr   Traumschau: Siegfried Bauer und Jürgen Koch
  • 22.01.2012 22:39:23 Uhr   focus: @David
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