Verglichen mit dem letzten G20-Gipfel in Cannes werden beim aktuellen Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer im mexikanischen Los Cabos viele neue Gesichter auftauchen. Erst gut sieben Monate ist es her, da drängten noch Angela Merkel und Nicolas Sarkozy ihre Amtskollegen Silvio Berlusconi und Giorgos Papandreou zum Sparen.
Mittlerweile ist von dem Quartett nur noch die Kanzlerin übrig. Die Schuldenkrise aber ist geblieben und hinterlässt an den Devisenmärkten immer tiefere Spuren. So ist der Euro seit dem damaligen Treffen in Cannes von mehr als 1,35 auf 1,26 Dollar gefallen. Gegenüber dem Frühjahr 2008 steht sogar ein Minus von rund 20 Prozent zu Buche. "Der Dollar hat derzeit den Status eines sicheren Hafens und viel Fluchtgeld angezogen", sagt Michael Ott, Währungsexperte bei der Commerzbank .
Kein Wunder, dass auch Privatanleger nach Zufluchten suchen oder gezielt vom hektischen Auf und Ab an den Devisenmärkten profitieren wollen. Neben Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen bietet sich dafür auch das direkte Engagement über den Online-Devisenhandel Forex (FX, Foreign Exchange) oder Contracts for Difference (CFD) an. Anleger können hier mit relativ wenig Kapital auf steigende oder fallende Devisenkurse setzen, wobei sie lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen. Je nach Höhe werden die Gewinne oder Verluste stark oder moderat gehebelt. Eine Reihe eigenständiger Brokerhäuser, aber auch der Sparkassenableger S-Broker und die Commerzbank-Tochter Comdirect offerieren diese Möglichkeit. Das Interesse wächst. "Die Turbulenzen um den Euro reizen zur Spekulation, das Volumen bei den großen Währungspaaren, den sogenannten Majors, ist deutlich gestiegen", sagt Gregor Kuhn, Senior Manager beim Brokerhaus IG Markets.
Mit Abstand am meisten gehandelt wird der Euro zum Dollar . Beliebt sind auch Yen , Pfund und Schweizer Franken . "Die meisten Marktteilnehmer setzen auf einen schwächeren Euro", so Kuhn. Der Wechsel von Hoffnungsschimmern und neuen Enttäuschungen bietet Gelegenheiten genug, auf Gegenbewegungen zu spekulieren - auch wenn das oft hochriskant ist. "Unsere deutschen Kunden nutzen die Währungspaare eher kurzfristig und aufgrund von technischen Tradingchancen", sagt Joe Jabar, Leiter des Deutschland-Geschäfts des Brokerhauses Activtrades. Anleger im Euro-Raum sähen im Handel mit der Relation zum Dollar aber auch eine Möglichkeit, das politische und ökonomische Risiko der EU abzusichern. Darüber hinaus ist der FX-Handel zur Absicherung von auf Dollar-Basis ermittelten Rohstoffpreisen geeignet.
Die Broker registrieren zudem ein über die großen Währungen hinausgehendes Interesse. Denn sollten etwa die Schwellenländer wieder Fahrt aufnehmen und sich die Lage in Europa entspannen, dürften die US-Haushaltsdefizite wieder ins Blickfeld geraten. "Auch hinter dem Dollar steht ein fiskalisch schwacher Staat", sagt Commerzbank-Experte Ott. Als Alternative könnten die Währungen fundamental starker Rohstoff- und Schwellenländer an Bedeutung gewinnen. Ein Kandidat sei der australische Dollar, der von einem gesunden Staatshaushalt, steigende Direktinvestitionen und dem Rohstoffreichtum des Landes profitieren sollte. Der Wert des Euro ist gegenüber dem australischen Dollar seit Dezember 2008 bereits von 2,07 auf jetzt 1,26 gefallen.
Auch die norwegische Krone hat in dieser Zeit gegenüber dem Euro rund ein Viertel an Wert gewonnen. Haushaltsdefizite sind in dem mit Ölquellen gesegneten Land nahezu ein Fremdwort. Allerdings ist die Währung auch zu einem Gutteil vom Ölpreis abhängig. "Langfristige Trends wie sichere Häfen und Rohstoffabhängigkeit muss man auch bei der eher kurzfristigen Spekulation im Auge behalten", sagt Torsten Gellert, Geschäftsführer der Deutschland-Niederlassung des US-Brokerhauses Forex Capital Markets (FXCM).
Ein Großteil der Anleger setze allerdings auf technische Faktoren und will schnell reagieren. FXCM veröffentlicht dazu regelmäßig einen Speculative Sentiment Index, der die aktuelle Positionierung seiner Kunden anzeigt. Derzeit setzen 63 Prozent auf einen steigenden australischen Dollar. 83 Prozent erwarten einen gegenüber dem US-Dollar fallenden Yen . "Die japanische Notenbank hat im globalen Wettlauf um die niedrigste Währung zur Förderung der eigenen Exporte bereits wieder Interventionen angekündigt, um den Yen zu schwächen", sagt Gellert.
| So funktioniert's |
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| Einsatz Wer man mit einem Handelsvolumen von beispielsweise 10.000 Euro auf einen fallenden Euro setzen will, hinterlegt man dafür lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) von 2500 Euro. So wird den Einsatz um das Vierfache hebelt. Fällt der Euro nun um ein Prozent, beträgt der Gewinn vier Prozent auf das eingesetzte Kapital. Gehebelt werden kann auch höher bis zum 200-Fachen oder aber mit niedrigeren Faktoren. |
| Risiko Im schnellen Währungshandel kann es zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen, wenn nicht durch Stop-Loss-Orders vorgebeugt wird. |
| Kosten Bei den wichtigsten Währungen fallen nur geringe Differenzen zwischen An- und Verkaufspreisen an. Je exotischer die Devise, desto größer sind diese Spreads. Zudem sind stets die Finanzierungskosten zu berücksichtigen. Dabei wird der Zins der Long-Position (zum Beispiel der Euro-Zins) mit dem der Short-Position verrechnet (etwa dem US-Zins). |