Große Finanzinstitute haben komplexe Netzwerke aus Tochtergesellschaften rund um den Globus gesponnen. Die Behörden haben dabei längst den Durchblick verloren. Deshalb soll jeder Ableger eine Nummer zugewiesen bekommen.
Ein riesiges Plakat mit 250 Tochtergesellschaften in verschiedenen Farben: So beschrieb das "Wall Street Journal" einmal eine Grafik, mit der ein Fondsmanager Ordnung in das Beziehungsgeflecht des Versicherungskonzerns AIG zu bringen versuchte. Der Artikel "AIG - A very complex Company" erschien Jahre vor der Beinahe-Pleite des Unternehmens. Doch er wies frühzeitig auf ein Problem hin, das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise offensichtlich wurde: Viele global agierende Finanzinstitute sind so verschachtelt, das sie von außen kaum noch zu durchschauen sind.
Nicht nur bei AIG wurde das zum Problem. Die Aufsichtsbehörden hätten den Vernetzungsgrad von Pleite-Banken wie Lehman Brothers und die damit verbundenen Risiken für andere Institute schlichtweg nicht erkannt, sagt heute ein prominenter Berater des US-Finanzministeriums, Richard Berner. "Unser Wissen über die Finanzlage war einfach unzureichend", räumte der langjährige Chefvolkswirt von Morgan Stanley in der vergangenen Woche auf einer Konferenz in New York ein.
Abhilfe soll ein neues Registrierungssystem schaffen. Darin sollen an den Finanzmärkten aktive Unternehmen mitsamt ihren rechtlichen Beziehungen zu anderen Firmen erfasst werden. Jede einzelne Geschäftseinheit soll dazu mit einem Code versehen werden, genannt Legal entity identifier (Lei).
Branchenverbände wie die Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA) unterstützen die Einführung solcher Codes. Denn auch für die grenzüberschreitenden Transaktionen der Banken wäre ein einheitliches Identifikationssystem sehr hilfreich, sagt beispielsweise Robin Doyle von JP Morgan Chase. Zwar verwendeten viele Banken schon seit Jahren interne Nummerncodes. Das Nebeneinander verschiedener System sorge aber für enorme Reibungsverluste, sagte Doyle der Nachrichtenagentur Bloomberg.
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