Erstmals ist in Israel eine "Miss Holocaust-Überlebende" gekürt worden. Insgesamt 14 ältere Damen, die den Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg überlebt hatten, nahmen an der umstrittenen Veranstaltung teil. Zwar hatten die Frauen und etwa 600 Gäste am Donnerstagabend in der nordisraelischen Küstenstadt Haifa auch großen Spaß, aber selbst die Wettbewerberinnen in Galakostümen waren sich wohl der Gratwanderung bewusst.
"Ich habe nur im Interesse der Überlebenden teilgenommen und wegen der Notwendigkeit, auf ihre Notlage aufmerksam zu machen", zitierte die Zeitung "Jediot Achronot" die 79-jährige Gewinnerin Chava Herschkovitz. "Darum ging es bei diesem Wettbewerb, nicht um Schönheit", fügte die aus Rumänien vor den Nazis geflohene, frischgebackene Preisträgerin hinzu.
In israelischen Medien wurde der ungewöhnliche Wettbewerb zunächst nur am Rande erwähnt. Kritiker bezeichneten die Veranstaltung als makaber. Herschkovitz beklagte jedoch die Vernachlässigung der noch etwa 200.000 Holocaust-Überlebenden in Israel, von denen viele in Armut lebten: "Niemand tut wirklich etwas für sie, es gibt immer nur Worte."
Die Idee für den Wettbewerb stammt von Simon Sebag, der die Hilfsorganisation für Holocaust-Überlebende "Jad Eser Le Chaver" (Helfende Hand für einen Freund) gegründet hat. In Haifa sei es nur zu einem kleinen Anteil um Schönheit gegangen, sagte Sebag. Stattdessen hätten die Wettbewerberinnen auch von den Schrecken des Holocaust und ihrer Lebenskraft berichtet.