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Merken   Drucken   08.08.2011, 18:57 Schriftgröße: AAA

US-Schuldendebakel: S&P wird USA das "AAA" jahrelang verweigern

Die Ratingagentur erwartet für eine bessere Bonitätsbewertung eine sinkende Schuldenlast bis 2021. Doch dafür muss sich die Politik erst noch zusammenraufen. Ökonomen halten eine weitere Herabstufung für wahrscheinlicher als die Rückkehr zur Topnote. von André Kühnlenz  Frankfurt und Kim Bode, New York
Die Vereinigten Staaten müssen sich darauf einstellen, dass sie bei der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) so schnell keine Topnote für ihre Bonität zurückbekommen. "Es ist nicht so einfach, das 'AAA' wieder zu erlangen, wenn man einmal die Bewertung verloren hat", sagte John Chambers, Chef für Staatsratings bei S&P. Nötig seien eine Stabilisierung der Staatsschulden sowie eine größere politische Einigkeit in Washington über die Haushaltskonsolidierung.
Die Herabstufung des Ratings der USA durch S&P ist ...

 

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S&P hat die USA zurückgestuft und bewertet sie nur noch mit der zweitbesten Note "AA+", weil nicht absehbar sei, dass die Schuldenlast ab der Mitte des Jahrzehnts sinken wird, teilte die Agentur am Freitag mit.
Im Gegensatz dazu erwartet S&P bei den anderen verbliebenen wichtigen Staaten mit "AAA"-Rating, dass die Schulden gemessen an der Wirtschaftsleistung ab 2015 sinken werden. Daher seien die Bonitätbewertungen von Deutschland, Frankreich, Kanada und Großbritannien derzeit nicht in Gefahr - auch wenn teilweise die Schulden noch kräftig bis zur Mitte des Jahrzehnts steigen sollten.
Dabei dürfte der Abwertungsreigen für die USA noch zumindest bei S&P lange nicht vorüber sein: "Wir glauben, dass das Risiko einer weiteren Herabstufung nicht unerheblich ist", sagte Harm Bandholz, US-Chefökonom bei der italienischen Großbank Unicredit in New York. S&P hatte die Bonität des Landes zudem mit einem negativen Ausblick versehen, was bedeutet, dass weitere Schritte innerhalb von zwei Jahren folgen können. S&P denke im Moment lediglich über diese zwei Bewertungen nach, sagte Bandholz: "AA+" und "AA".
"Das Triple-A scheint also endgültig weg zu sein", sagte der Ökonom. Er verweist darauf, dass ein "AA"-Rating immer noch heißt, dass der Anleihenemittent eine sehr starke Kapazität zur Einhaltung der finanziellen Verbindlichkeiten habe. "Letztendlich ist kein institutioneller Investor dazu gezwungen, seine US-Staatsanleihen wegen bestimmter Regeln zu verkaufen, nur weil das US-Rating ein bisschen auf ,AA+‘ gesenkt wurde", sagte Bandholz.
Strenge Notenvergabe   Strenge Notenvergabe
Immerhin kann sich jeder Marktbeobachter selber ein Urteil über die Bonität der USA bilden. Denn die meisten Daten, die Ratingagenturen sich anschauen, sind öffentlich für jeden verfügbar. "Wir schauen eigentlich nicht auf die Ratingagenturen, um eine politische Analyse zu bekommen", sagt Jared Bernstein vom "Centre of Budget and Policy Priorities", früherer Chefökonom von Vizepräsident Joe Biden .
Auch wenn die Agenturen mit ihrer Kritik an dem Hick-Hack zwischen Demokraten und Republikanern im Grunde Recht gehabt hätten. "Aber das hat nichts mit der eigentlichen Frage zu tun, die die Ratingagenturen beantworten sollen."
Das sehen die Bonitätswächter bei S&P etwas anders. Als einen weiteren wichtigen Grund für die Herabstufung nennen sie, dass die Politiker zu leichtfertig einen drohenden Zahlungsausfall in Kauf genommen hätten. Bei den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern über die Erhöhung der Schuldenkrise war die Gefahr gestiegen, dass die Regierung eventuell im August fällige Zahlungen hätte nicht leisten können.
Deswegen hatte S&P die USA am 14. Juli auf die Beobachtungliste gesetzt, bei der ein Emittent innerhalb von rund 90 Tagen herabgestuft werden kann. Doch auch ohne die unmittelbare Gefahr eines Zahlungsausfalls bleiben die S&P-Experten extrem verunsichert: "Amerikas Regierungsführung ist weniger stabil, weniger effektiv und weniger vorhersehbar geworden, als wir früher glaubten", heißt es.
  • FTD.de, 08.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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