An dieser Stelle berichtet Jens Korte, einer der bekanntesten deutschen Wall-Street-Reporter, jede Woche exklusiv für die FTD von der wichtigsten Börse der Welt.
Was war das nur für ein Jahr? Eine Krisenmeldung nach der anderen, die Hiobsbotschaften überschlugen sich. Beim Blick auf die Zahlen zeigt sich jedoch, dass sich das gerne noch einmal wiederholen darf. von Jens Korte
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.
Ja, der DAX hat 15 Prozent eingebüßt. Der Euro und die Schuldenkrise haben die Märkte regelmäßig zur Verzweiflung getrieben. Aber konjunkturell haben die Deutschen keinen Grund zur Klage.
Zwar ist die Wirtschaftsleistung in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres erstmals seit der großen Rezession um ein Viertelprozent geschrumpft. Aber auf Jahressicht legte das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent zu.
Die Autoindustrie hat solide Ergebnisse erzielt. Die Arbeitslosenquote lag mit knapp 6,5 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Zum Vergleich: In den USA beträgt das Wirtschaftswachstum rund 1,8 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt bei rund 8,5 Prozent. Die verdeckte Arbeitslosenquote rangiert in bei etwa 15 Prozent. Wie gern würden die Amerikaner mit den Deutschen tauschen.
Trotz der im Vergleich zu Deutschland schwächeren US-Konjunktur hat der Dow-Jones-Index auf Jahressicht 5,5 Prozent zugelegt. Wie passt das zusammen? Ein Blick zurück: Am 3. Oktober 2008 erhielten US-Banken 700 Mrd. Dollar.
Im November 2008 kaufte die Fed für 1,25 Mrd. Dollar Staats- und Hypothekenpapiere. Im Februar 2009 folgte ein 780 Mrd. Dollar schweres Konjunkturpaket. 1000 Mrd. Dollar steckte Washington im Sommer 2009 in die US-Abwrackprämie. Im November 2010 legte die Fed mit einem zweiten Aufkaufprogramm in Höhe von 600 Mrd. Dollar noch einmal nach. Im September 2011 startete Ben Bernanke "Operation Twist".
Die Zinsen bleiben laut Notenbank bis Sommer 2013 bei fast null Prozent. Und in der Eurozone? Wird derweil über Beträge von 500 Mrd. bis 600 Mrd. Euro gestritten.
Jens Korte
Nun orientieren sich Börsianer bekanntlich mehr an der Zukunft. Und die sieht im Moment für die USA etwas rosiger aus. Das erklärt auch die bessere Performance an der Wall Street. In den vergangenen Tagen kamen Gerüchte auf, dass Barack Obama den Immobilienmarkt mit rund 1000 Mrd. Dollar beleben will, was den Bankensektor kurzfristig beflügelte.
Wenn Obama mit Blick auf die Wahlen im November etwas nicht gebrauchen kann, dann ist es eine erneute Zuspitzung der Euro-Krise. Und so hofft auch der US-Präsident darauf, dass Deutschland noch mal so ein Krisenjahr hinlegt wie 2011.
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