Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.
Auf der Erde leben über sieben Milliarden Menschen. Rund eine Milliarde davon fährt ein Auto. 200 Millionen Menschen besitzen einen Hund. Über 2,2 Milliarden Menschen, fast ein Drittel der Weltbevölkerung, nutzen das Internet. Facebook zählt offiziell rund 900 Millionen Nutzer. Das entspricht 13 Prozent der Weltbevölkerung. Das mag hoch gegriffen sein. Aber selbst wenn es nur halb so viele sind, ist das immer noch sensationell.
"Wenn ich einen Sohn hätte, dann würde er aussehen wie Mark Zuckerberg", schrieb diese Woche ein Blogger an der Wall Street. Gut, zumindest äußerlich verleiten andere Multimilliardäre wie etwa Bill Gates oder Warren Buffett nicht unbedingt zum Träumen. Aber es zählen ja bekanntlich die inneren Werte. "Bet against FB at your own risk", schrieb ein anderer Blogger. Wer gegen Facebook setzt, ist selbst schuld, so ließe sich die diese Botschaft deuten.
Nach letztem Stand beginnt Anfang der Woche die Roadshow, am 18. Mai soll dann der Börsengang sein. Ist das nicht sehr ambitioniert? "Hey, wir reden hier von Facebook", sagte diese Woche Börsenhändler Louis. "Da ist alles möglich." Zwar wird die Aktie nicht an der New York Stock Exchange notiert, wo immer noch reale Menschen Geschäfte betreiben, sondern an der sterilen Technologiebörse Nasdaq. Dennoch hat natürlich jeder im Finanzdistrikt eine Meinung zum heißesten Börsengang aller Zeiten. Übertrieben? Das spielt keine Rolle. New Yorker lieben Übertreibungen.
Doch was ist jetzt mit Facebook? Nach dem Börsengang kann das Unternehmen eine Marktbewertung von 100 Mrd. Dollar erreichen. Das ist Facebook heute niemals wert. Über die nächsten fünf Jahre müsste das Unternehmen den Umsatz jährlich um mindestens 40 Prozent steigern, um das annähernd zu rechtfertigen. FB, so der zukünftige Börsenticker, ist längst verkauft worden. Investoren wie Goldman Sachs oder Hedge-Fonds haben frühzeitig investiert und den Einstiegspreis an der Börse festgelegt. Für kleine Fische im großen Investorenteich wird sich da zunächst schwer Geld verdienen lassen.
13 Prozent der Weltbevölkerung sind allerdings auch eine Bank. Sollte es FB gelingen, mehr als nur Online-Anzeigen dank seiner Popularität zu verkaufen, dann wird es interessant. Für den Moment wirkt Facebook aufgebläht wie ein Kugelfisch.