An dieser Stelle berichtet Jens Korte, einer der bekanntesten deutschen Wall-Street-Reporter, jede Woche exklusiv für die FTD von der wichtigsten Börse der Welt.
Was wurde über Ratingagenturen nicht alles geschrieben und geschimpft. Seit der Herabstufungen europäischer Staaten durch Standard & Poor's gibt es wüste Anschuldigungen. Die Börsen reagierten kaum. Fazit: Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin. von Jens Korte
Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD.
Häufig wird behauptet, das Zitat stamme von Bertolt Brecht. Tatsächlich ist es aber dem amerikanischen Dichter Carl Sandburg (1878 bis 1967) zuzuschreiben, der im Ersten Weltkrieg auch als Kriegsreporter arbeitete.
Jens Korte
Sandburgs Worte lassen sich derweil treffend auf die ermüdende Debatte über Sinn und Unsinn von Ratingagenturen übertragen. Was gab es da in den vergangenen Tagen für einen Aufschrei, vor allem vonseiten der Politik, als Standard & Poor's erst die Bewertung für mehrere Euro-Staaten und dann auch noch für den europäischen Rettungsschirm herabstufte. Und wie reagierten die Märkte? Gar nicht. Weder die Devisen-, noch die Anleihe- und schon gar nicht die Aktienmärkte zeigten sich beeindruckt. Ganz im Gegenteil, die Renditen in den Euro-Ländern fallen, und der S&P 500 zeigte bis Wochenmitte den besten Jahresstart seit 1987.
Die Amerikaner blasen angeblich zur Attacke gegen Europa, um von ihren eigenen Problemen abzulenken, ist da zu lesen. Ein Gedanke, der schwer nachzuvollziehen ist. Zum einen ist die EU ein bedeutender Absatzmarkt für die USA. Warum sollen die Amerikaner ein Interesse daran haben, ihre Kundschaft in den Ruin zu treiben? Zum anderen würde eine Zuspitzung der Euro-Krise den Euro drücken und den Dollar-Kurs befeuern. Washington kann angesichts der eigenen hohen Schuldenlast überhaupt kein Interesse an einer weiteren Aufwertung des Greenback haben.
In der ganzen Diskussion prallen offensichtlich auch unterschiedliche Auffassungen von einem angemessenen Krisenmanagement aufeinander. Die Europäer verweisen gerne, etwa im Fall Italiens, auf jüngste Erfolge bei der Schuldenbekämpfung. Sparen? Um Gottes Willen, wie kann man am Rande der Rezession das Wort überhaupt in den Mund nehmen?, argumentieren hingegen US-Ökonomen. Ihr müsst die strukturellen Probleme angehen, etwa den Arbeitsmarkt flexibilisieren, wie Deutschland das zur Jahrtausendwende getan hat, fordern sie. Aber ihr müsst auch Geld ausgeben, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Wie hat Brecht so schön gesagt - und dieses Zitat stammt tatsächlich von ihm: Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.
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