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FTD-Serie: 11 Wall Street

An dieser Stelle berichtet Jens Korte, einer der bekanntesten deutschen Wall-Street-Reporter, jede Woche exklusiv für die FTD von der wichtigsten Börse der Welt.
Merken   Drucken   01.03.2012, 20:01 Schriftgröße: AAA

Wall Streeter: Obama ist schuld

Auch wenn deutsche Autofahrer noch immer neidisch über den Atlantik blicken. In den USA lösen 4 Dollar pro Gallone eine heftige Debatte aus - vor allem gegen den Präsidenten gibt es Vorwürfe.
von Jens Korte

Jens Korte schreibt als Wall-Street-Korrespondent für die FTD. Es reicht. Als Präsident Barack Obama vor drei Jahren sein Amt antrat, stand der Benzinpreis in den USA bei 1,89 Dollar pro Gallone (etwa 0,37 Euro pro Liter). Heute müssen US-Autofahrer fast 4 Dollar pro Gallone bezahlen.

Bei 1,59 Euro, die derzeit in Deutschland verlangt werden, blicken deutsche Autofahrer immer noch neidisch über den Atlantik. Aber in den USA ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, welche Schuld Obama an den hohen Preisen trägt.

Obama ist der Führer des Landes, schrieb ein Leser an die "Baltimore Sun". Er ist unser Advokat für die Welt. Da muss er mehr machen. Als er noch Sprecher im Kongress war, wettert Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich, da kostete Sprit nur 1,13 Dollar. Das war Mitte der 90er-Jahre, doch unter Präsident Gingrich würde Benzin niemals mehr als 2,50 Dollar kosten. Bei so viel Unfug hat selbst die "Washington Post" Gingrich bei der hauseigenen Pinocchio-Bewertung drei von vier möglichen Pinocchio-Nasen für so viel Unwahrheit vergeben.

Doch die Debatte wird noch verrückter. John Boehner, Sprecher des Repräsentantenhauses, macht radikale Umweltgruppen als Verantwortliche aus. Und Rick Santorum hat endlich die Ursache für die Finanzkrise gefunden: "Wir sind 2008 in eine Rezession gefallen wegen der hohen Benzinpreise." Ach so! Ja, sagt der Obama-Herausforderer, denn die Immobilienblase sei geplatzt, weil die Menschen 4 Dollar für eine Gallone Sprit bezahlen mussten. Was soll da erst der arme Mitt Romney sagen? Er hatte ja kürzlich erzählt, dass seine Frau die vielen Cadillacs fahre und er sich mit einem Chevy Pick-up und Mustang begnügt.

Und was sagt Obama? Die Vorwürfe der Republikaner seien doch bestenfalls als Bumper Sticker, also Autoaufkleber, geeignet. Nun, es sind wohl vor allem drei Faktoren, die den Öl- und Benzinpreis antreiben: der zuletzt schwächere Dollar, die Spannungen mit Teheran und die hohe Nachfrage aus Ländern wie den USA oder China. Wie wäre es da mit Sparen? Anglerverbände klagen, dass für einen Angelausflug schon mal 30 Gallonen Sprit am Tag draufgehen. Wenn der Ölpreis weiter steigt, macht das 150 Dollar am Tag. Wie wär's mit Rudern? Oder beißen Fische nur bei Diesel? Es gibt auch Elektroboote.

  • Aus der FTD vom 02.03.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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