Die beginnende Berichtssaison in den USA und Europa dürfte kommende Woche das Geschehen an den Aktienmärkten dominieren. Eine Reihe internationaler Konzerne veröffentlichen ihre Zahlen für das zweite Quartal 2012, darunter die US-Banken Goldman Sachs und Bank of America . Aber auch Unternehmen aus den Sektoren Industrie und Informationstechnologie wie Coca-Cola , Microsoft , Yahoo , BHP Billiton und Nokia öffnen ihre Bücher. Einige Marktbeobachter glauben, dass die anstehenden Unternehmensberichte die Aufmerksamkeit der Anleger zurück auf die Fundamentaldaten lenken könnte: "Mit den Quartalsbilanzen bietet sich eine Möglichkeit, dass die Mikroperspektive an Gewicht zunehmen könnte, zumindest kurzfristig", schreiben die Analysten von Morgan Stanley . In den vergangenen Monaten seien die Nachrichten zu einzelnen Unternehmen vor allem von der Sorge um die Schuldenkrise in Europa überlagert worden.
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Allerdings sind die Erwartungen der Experten im Vorfeld bereits gedämpft. Viele Analysten haben ihre Prognosen zuletzt gesenkt. So liegen die Gewinnerwartungen für die Unternehmen im marktbreiten S&P 500 nach den Berechnungen von Analysten der Raiffeisenbank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent niedriger. Für den MSCI Europe liegen die Erwartungen laut den Experten von Morgan Stanley um 18 Prozent unter den Vorjahresschätzungen, und immerhin sechs Prozent unter den Erwartungen von Anfang 2012. Das könnte nach Einschätzung von Markus Reinwand, Analyst bei der Helaba, aber auch zu positiven Überraschungen bei den Investoren führen, da die Messlatte für Unternehmen nicht sehr hoch liege.
Nachdem am Freitag bereits die US-Geldhäuser JP Morgan Chase und Wells Fargo ihre Quartalsbilanzen vorgelegt hatten, reagierten die US-Indizes mit Kursgewinnen. Der S&P 500 stieg um 1,7 Prozent auf 1357 Punkte. Auf Wochensicht notierte der Index 0,2 Prozent fester. Der Dow Jones gewann 1,6 Prozent auf 12.777 Zähler, beendete die Woche immerhin gut behauptet. Der Nasdaq Composite verlor über die Woche ein Prozent und notierte am Freitag bei 2908 Punkten. Die Grundstimmung der Analysten bleibt in Bezug auf die Firmengewinne skeptisch. "Die verarbeitende Industrie steht vor allem wegen der höheren Kosten durch die Inflation unter Druck", sagt Bill Hassiepen von der Ratingagentur Egan Jones. "Nur bei Öl-, Gas- und Pharmakonzernen bin ich guter Dinge." Auch die Analysten der Weberbank befürchten, dass eine enttäuschende Berichtssaison auf die Kurse durchschlagen könnte. Die vergangenen Woche beendete der deutsche Leitindex DAX hingegen mit einem Plus von 2,3 Prozent bei 6557 Punkten, der EuroStoxx 50 kletterte im gleichen Zeitraum um 1,1 Prozent auf 2259 Zähler. Dass sich einzelne Märkte trotzdem noch gut halten, führen Experten der Weberbank auf die wiederholten Aktionen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück.
Die Äußerungen der Notenbanker beschäftigen in der kommenden Woche auch die Anleiheinvestoren. Die schauen auf die Anhörung Ben Bernankes vor dem US-Kongress. Sollte der Chef der amerikanischen Notenbank dort Hinweise auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik geben, dürften langjährige Treasuries profitieren. Die meisten Analysten glauben aber, dass sich Bernanke verbal vorerst zurückhalten wird.
Zudem wollen Deutschland, Spanien und Frankreich in der kommenden Woche frische Anleihen im Wert von zusammen 15 Mrd. Euro emittieren. Die Bundesfinanzagentur kommt am Mittwoch mit zweijährigen Papieren, bei denen sich die Investoren voraussichtlich wieder mit einer negativen Rendite zufrieden geben werden. Die Lage in Südeuropa hat sich für den Moment beruhigt. Die Rendite für zehnjährige Anleihen aus Rom hat sich bei rund sechs Prozent eingependelt, was immerhin rund ein Prozentpunkt niedriger ist als zum Jahreswechsel. Spanische Zehnjährige rentierten am Freitag bei rund 6,5 Prozent. Der Euro schwächelt zwar weiter, hält sich aber immerhin weiter über der Marke von 1,20 Dollar.