Die Aussicht auf weitere Schritte zur Lösung der europäischen Schuldenkrise könnte auch diese Woche für positive Stimmung an den Finanzmärkten sorgen und den Risikoappetit der Anleger stützen. Dazu trug schon zum Wochenschluß Bundeskanzlerin Angela Merkel bei, die in Kanada ihre Unterstützung für den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Schuldenkrise äußerte. Das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, alles Erforderliche zur Verteidigung der Euro-Zone zu tun, sei im Einklang mit den europäischen Regierungen, sagte sie.
Die Börsen reagierten mit Kursgewinnen. Der deutsche Leitindex DAX übersprang vergangene Woche erstmals seit April wieder die 7000-Punkte-Marke und schloß mit 7040 Punkten. Auf Wochensicht hat das Börsenbarometer damit rund ein Prozent zugelegt. Beim EuroStoxx 50 betrug das Plus knapp zwei Prozent. Analysten mahnen trotzdem zur Vorsicht. "In nächster Zeit sollten für deutsche Aktien angesichts mäßiger Marktumsätze und des näher rückenden, historisch durch Kursverluste geprägten Angstmonats September wieder Rückschläge einkalkuliert werden", schreibt Thomas Hollenbach, Investmentanalyst der LBBW in seinem Ausblick. Neben möglichen Enttäuschungen bezüglich der erwarteten Rettungsmanöver der EZB könnten verstärkt geopolitische Risken ins Blickfeld geraten.
Auch die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) sind zurückhaltend. Sie sehen kaum Fortschritte hinsichtlich der europäischen Schuldenkrise und verweisen darauf, dass die nächsten Schritte erst im September konkretisiert werden. "Und es mehren sich die Anzeichen, dass die Stimmung zwischen Geber- und Empfängerländern schlechter wird. Auch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum dauerhaften Rettungsschirm ESM bietet mehr Risiken als Chancen." Außerdem sehe es mit Blick auf die Konjunktur in Kerneuropa düster aus. "Die Grundrichtung der Märkte sollte daher in den kommenden Monaten eher abwärts gerichtet sein", erwarten sie. "Nach dem Ende der Berichtssaison bleiben nur die Notenbanken als Lichtblick." Und Commerzbank -Analyst Andreas Hürkamp warnt: "Es gibt Signale, dass den Unternehmensgewinnen im dritten Quartal ein noch stärkerer Gegenwind von der globalen Konjunktur droht."
In den USA neigt sich die Quartalsberichtsaison nun allmählich dem Ende zu. Unter dem Strich können die US-Investoren mit den Ergebnissen der Unternehmen zufrieden sein: 60 Prozent der Unternehmen aus dem S&P-Index haben die Erwartungen der Analysten übertroffen, wie Bill Hassiepen von der Ratingagentur Egan-Jones sagte. "Aber die Erwartungen waren auch so unglaublich gering, dass selbst eher mittelmäßige Ergebnisse diese übertroffen haben", räumt er ein. Dass die Börsen dennoch weiter im Aufwärtstrend sind führt Hassiepen auf die anhaltende Hoffnung der Investoren auf weitere Lockerungsschritte der US-Notenbank zurück. "Die Verheißung des billigen Geldes hält die Märkte künstlich oben." Aber rechnet damit, dass bald Ernüchterung eintreten wird: "Gegen Ende des Jahres wird auf den Märkten Katerstimmung herrschen."
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An den Rentenmärkten hat schon die Aussicht auf Anleihekäufe der EZB für eine starke Beruhigung gesorgt. Seit Draghis Äußerungen am 26. Juli sind die Renditen zweijähriger spanischer Staatsanleihen um rund 2,3 Prozentpunkte und die italienischer um etwa zwei Prozentpunkte gesunken. Sollte die EZB die Käufe in die Tat umsetzen, dann könnte es ihr gelingen, die Rendite spanischer Staatspapiere mit zwei Jahren Laufzeit sogar bis auf zwei Prozent zu drücken, sagte Steven Major, Chef des Research für Festverzinsliche Wertpapiere der britischen Bank HSBC in London der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Am Freitag fiel die Rendite dieser Anleihen um 0,25 Prozentpunkte auf 3,74 Prozent. Noch am 25. Juli hatte sie auf einem Rekordniveau von 7,15 Prozent gelegen. Die aktuelle negative Rendite zweijähriger Bundesanleihen von Minus 0,04 Prozent hält Major nicht für gerechtfertigt und rät Investoren, gegen sie zu wetten. Und überhaupt: "Eine Untergewichtung von Bundesanleihen wird eine der großen Strategien der nächsten Monate sein". Auch die Analysten der LBB gehen davon aus, dass die Kurse zehnjähriger Bundesanleihen weiter nachgeben und dadurch die Rendite bis auf maximal 1,80 Prozent steigen kann, bevor wieder eine deutliche Gegenbewegung einsetzen sollte. Am Freitag lag die Rendite bei 1,49 Prozent.
Die Währungsstrategen der französischen Bank BNP Paribas führen den Kursanstieg des Euro in der abgelaufenen Woche vor allem auf Deckungskäufe solcher Investoren zurück, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Am Freitagnachmittag verlor die Gemeinschaftswährung nach guten US-Daten jedoch an Boden und handelte bei knapp 1,23 Dollar. Diese Woche erwarten sie den wahren Test für die Gemeinschaftswährung angesichts einer ganzen Reihe wichtiger politischer Treffen. So kommt Merkel unter anderem mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras und mit Frankreichs Präsident François Hollande zusammen und später auch mit dem italienischen und spanischen Regierungschef. "Jegliche Anzeichen, dass die Krise auf eine Lösung zusteuert, schlägt sich in einem Anstieg der Währung nieder", sagte Henrik Gullberg, Währungsstratege der Deutschen Bank in London.