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Merken   Drucken   31.03.2011, 21:20 Schriftgröße: AAA

Zwist in der EZB: Streit über süchtige Banken verschreckt Bond-Märkte

Die Hoffnung auf ein Sonderprogramm der Europäischen Zentralbank für die irischen Kreditinstitute wurde enttäuscht. Das lässt Anleger auch um die Banken in anderen klammen Euro-Ländern fürchten. Die Risikoprämien auf Staatsanleihen schnellen in die Höhe.
Berichte über einen Streit innerhalb der Europäischen Zentralbank (EZB) über notleidende Banken haben am Donnerstag an den Bond-Märkten für Unruhe gesorgt. Die Risikoprämien auf irische Staatsanleihen schnellten in die Höhe, nachdem Hoffnungen auf ein Sonderprogramm der EZB für die kriselnde Finanzbranche des Landes enttäuscht wurden. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete, der EZB-Rat habe keine Einigkeit über ein solches Programm erzielen können. Am späten Abend lockerten die Frankfurter Währungshüter allerdings die Bedingungen für die Kreditvergabe an irische Banken. Als Sicherheiten für Darlehen an die Institute sollen künftig alle irischen Staatsanleihen unabhängig vom Rating akzeptiert werden. Mit einem solchen Schritt war die EZB im vergangenen Jahr bereits den griechischen Banken entgegengekommen.
Der scheidende Bundesbank-Chef Axel Weber hatte sich am Vormittag gegen weitreichende Hilfen für die irischen Banken ausgesprochen. Im Kreise der Notenbanken würden die Instiute nicht als systemrelevant eingestuft, sagte Weber am Donnerstag beim Deutschen Bankentag in Berlin. Es stelle sich grundsätzlich die Frage, ob nicht private Gläubiger an der Rettung einzelner Institute auf der Insel stärker beteiligt werden müssten. "Wir sollten keine Blanko-Garantien für Banken mehr geben", betonte Weber, der als Bundesbank-Chef dem EZB-Rat angehört. Er äußerte sich allerdings nicht explizit zu einem möglichen EZB-Sonderprogramm, sondern allgemein zu öffentlichen Hilfen für die irischen Banken.
Die vom irischen Steuerzahler gestützten Institute bekommen derzeit auf dem Markt praktisch keine Darlehen mehr, weil die anderen Banken ihnen nicht über den Weg trauen. Die irischen Geldhäuser hängen deshalb am Tropf der EZB - ein Viertel der von den Frankfurtern Währungshütern ausgereichten Kredite flossen zuletzt auf die Grüne Insel. Überdies hält die Irische Zentralbank die Institute mit einem 70 Mrd. Euro schweren Sonderprogramm am Leben.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters plante die EZB, dieses Programm durch ein eigenes zu ersetzen - auch, um mehr Kontrolle über die Umstrukturierung der irischen Finanzbranche zu gewinnen. Zudem hätte ein EZB-Sonderprogramm bei Bedarf auch auf Banken in anderen klammen Euro-Staaten wie Griechenland oder Portugal übertragen werden können.
Dass die EZB sich am Donnerstag nicht äußerte, löste deshalb auch bei Inhabern spanischer Staatsanleihen Besorgnis aus. Die Renditen von Zehnjahrespapieren stiegen zwar nur moderat um rund 0,09 Prozentpunkte auf 5,29 Prozent. Die Kosten für die Absicherung spanischer Papiere gegen einen Zahlungsausfall legten aber kräftiger zu: Entsprechende Kreditausfallversicherungen (CDS) verteuerten sich um 12 auf 235 Basispunkte, ein Plus von fünf Prozent. Damit kostete es 235.000 Euro, spanische Staatsanleihen im Wert von 10 Mio. Euro ein Jahr lang gegen eine Pleite abzusichern.
Ähnlich wie die irischen leiden auch die spanischen Banken unter den Folgen einer Immobilienkrise. Bislang benötigten sie aber weitaus weniger Staatshilfen als die Institute auf der Grünen Insel.
Auch die Risikoprämien und CDS auf portugiesische Staatsanleihen stiegen am Donnerstag kräftig. Hauptgrund hierfür war aber eine Korrektur des staatlichen Defizits, das nach einer neuen Rechenformel des europäischen Statistikamts Eurostat im vergangenen Jahr 8,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichte.
  • FTD.de, 31.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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