Und der Gewinner ist: Weißrussland. Aber wirklich gratulieren mag man dem osteuropäischen Land nicht. Denn der von Alexander Lukaschenko autokratisch geführte Staat hat mit 36 Prozent den höchsten Leitzins in Europa und liegt damit wohl an der Weltspitze. Dabei hat die Natsionalnyi Bank Respubliki Belarus den Spitzen-Refinanzierungssatz schon zum 2. April um zwei Prozentpunkte gesenkt. Insgesamt ist der Zins damit seit Jahresbeginn bereits um neun Prozentpunkte gesunken. Bis Ende 2012 soll der Wert auf 22 bis 23 Prozent fallen - das wäre immerhin der halbe Wert von 2011.
Gründe für die hohe Inflation sind eine Rubelentwertung von 65 Prozent und ein exzessives Ausgabenprogramm der Regierung, das kurz vor dem Wahlen 2010 begann. Vor dem Staatsbankrott rettete die Osteuropäer letztlich nur ein von Russland angeführtes Rettungspaket. Derzeit versucht die Regierung, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, geht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds dabei aber zu ungestüm vor.
In einer Stellungnahme der Zentralbank heißt es: "Die Inflation verlangsamt sich stetig und wir sehen ein stabiles Wachstum bei den Rubel-Vermögen der Haushalte und eine verbesserten Außenhandel." Den Weißrussen ist eine Verlangsamung der Inflation nur zu wünschen: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Preise im Februar um 107,4 Prozent, zuletzt betrug die Teuerung noch 1,9 Prozent pro Monat.
Selbst wenn es der weißrussische Zentralbank gelingt, den Zins bis auf 22 Prozent zu senken, liegt er immer noch weit vor dem der Nachbarländer. Selbst die kriselnde Ukraine hat einen Zins von nur 7,5 Prozent, darunter liegen noch Polen (4,5 Prozent), Lettland (3,5) und Litauen (3,25). Die Weißrussen befinden sich vielmehr in Gesellschaft von Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo mit einem Leitzins von 22 Prozent, Uganda (21 Prozent) oder Kenia (18 Prozent). In Venezuela, wo nicht die Zentralbank für den Leitzins verantwortlich ist, liegt der zentrale Zinssatz derzeit bei gut 15,5 Prozent.
Weißrussland nimmt mit seinem Spitzenwert eine Position deutlich vor den großen Schwellenländern, den so genannten BRIC-Staaten, ein: In Brasilien beträgt der Leitzins 9,75 Prozent, in Russland 8,0 Prozent, in Indien 8,5 Prozent. Die People's Bank of China gibt Geld für 6,56 Prozent aus, und die Zentralbank des gelegentlich zu diesem Staatenblock gezählten Südafrikas zu 5,5 Prozent.
Aber während Länder wie Weißrussland vor allem unter der hausgemachten Inflation ächzen, bedingt etwa durch eine rasante Erhöhung der Geldmenge, haben die BRIC-Staaten ein ganz anderes Problem. Sie leiden unter ihrer eigenen Stärke - dem rasanten Wirtschaftswachstum.