Dossier
Es war einmal ein Herrscher, der machte sein Emirat zum schönsten weit und breit. Leider mithilfe von Schulden. Und so endet das Märchen recht profan: Dubai steht vor der Pleite - zum Schrecken seiner Nachbarn und der Märkte auf der ganzen Welt.
von Claus Hecking
und Christian KirchnerDubai
Wer zum Sheraton Hotel in der Prestigestraße Sheikh Zayed Road fährt, den Lift betritt und die Taste mit der Aufschrift "P" drückt, kommt auf eine Dachterrasse, die alles zeigt, was Dubai bekannt gemacht hat: im Norden das alte Zentrum, im Süden die Palmeninsel und den Burj, mit 818 Metern der höchste Turm der Erde.
Aber es ist auch anderes zu sehen: ein Sandhaufen im Meer, er sollte eine weitere Palmeninseln werden. Und überall verstreut: Ruinen und Rohbauten. Das Gerippe des Al Attar Tower, an dem seit Monaten nur noch Sonne und Sand arbeiten. Ja, von oben sieht Dubai aus wie ein Sandkasten nach dem Spiel: Vieles ist kaputt oder wurde nie fertig. Ein trauriger Anblick.
Die Finanzwelt ist erschüttert
Bilderserie
Dubais neue Luxus-Metro
Es ist das Ende eines Märchens. Das Märchen des kleinen Emirats Dubai, das groß geworden war. Das sich auf einmal teure Träume erfüllen konnte. Das sich zu dem Handelsplatz Arabiens aufgeschwungen hatte. Dieses Emirat hat seinen Reichtum verloren. Oder wie es in der Finanzsprache heißt: Die Regierung bittet darum, die Schulden der Staatsholding Dubai World später zurückzahlen zu dürfen. Es geht um 3,5 von 59 Mrd. $ - früher hätte der Emir das mal eben so überwiesen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Dubai steht vor der Pleite.
Und die Finanzwelt ist erschüttert. Weltweit gerieten die Märkte in Bewegung, der Dax ging runter, an den Märkten gab es kaum ein anderes Thema. Der Vermögensverwalter Schakil Sarwar von der Investmentbank SICO nannte die Nachricht "schockierend". Händler befürchten, Dubai werde "regelrecht zerbröckeln".
Nun rächt sich die Politik der Herrscherfamilie. Die al-Maktums haben gebaut, dass Fachleute die Köpfe schüttelten. "Das erinnerte mich an den Neuen Markt. Da musste auch ständig etwas Neues, noch Spektakuläreres angekündigt werden, um den Hype am Leben zu erhalten", sagt Eckart Woertz, Chefökonom des Thinktanks Gulf Research Center.
Dieser Hype hatte Spekulanten angelockt, Finanzierungskonstrukte wie das Flipping kamen auf. Leute leisteten eine Anzahlung von fünf oder zehn Prozent und verkauften ihre Anteile weiter, oft vor Baubeginn.
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