Staatsanwalt Olafur Thor Hauksson
Die großen drei vor Gericht bringen? Hauksson schüttelt den Kopf. "Meine Aufgabe ist es, Fälle zu lösen", sagt er dann langsam und nestelt an seiner zu kurzen Krawatte. "Es geht nicht um einzelne Personen." Er sucht nach Worten, sein Englisch ist holprig. "Sheriff von Akranes" nannten ihn die Zeitungen bei seiner Berufung, weil Hauksson bis dato gegen Falschparker und Raser ermittelt hatte, nie aber gegen Finanzjongleure. In Comedy-Shows haben sie sich lustig gemacht über den etwas behäbigen Familienvater mit gutmütigem Gesicht, der den Posten vor allem aus einem Grund bekam: Er war der einzige Bewerber.
Niemand außer Hauksson wollte sich damals anlegen mit den Tycoons. Zu sehr hatten die Isländer die drei Männer bewundert, die von der 317.000-Einwohner-Insel auszogen, um die Welt zu erobern: der eloquente Mathematiker Einarsson, der mit der früheren Bauernbank Kaupthing das Geld renditehungriger deutscher Kleinanleger einsammelte, es weiterverlieh an arabische Spekulanten, die damit wieder Kaupthing-Anteile erwarben. Der smarten Björgolfsson, der mit Landsbanki/Icesave den Pharmakonzern Actavis aufkaufte und sich als Hobby den englischen Premier-League-Fußballklub West Ham United zulegte. Schließlich der schillernde Johannesson, der aus dem Nichts Islands größte Supermarktkette Bonus aufbaute und bei Londoner High-Street-Institutionen wie Debenhams, Oasis oder House of Fraser einstieg - mit Milliardenkrediten der Bank Glitnir, deren Haupteigner er selbst war.