Langsam wird es zur Gewohnheit. Seit letztem Herbst wechseln sich die Wettbewerber der Deutschen Post mit skeptischen Prognosen ab, Konzernchef Frank Appel dreht dagegen seine Gewinnerwartungen regelmäßig ein kleines Stück nach oben.
Auch die aktuellen Quartalszahlen fallen in diese Kategorie. Der Schweizer Spediteur Kühne + Nagel senkte gerade die Wachstumserwartungen für die Branche. Der US-Paketdienst UPS , Erzrivale der Post-Tochter DHL, erwartet für sich zwar weiterhin ein Ergebnisplus - aber ein schmaleres als noch vor wenigen Wochen. Alle sind durch die Konjunktur beunruhigt - nur Appel nicht.
"Unsere Geschäfte laufen weiterhin erfreulich", lässt er sich zitieren. Man kann auch sagen: Endlich macht die Post etwas aus dem, was sie sich jahrelang weltweit an Logistikern und Expresstransporteuren zusammengekauft hat. Dabei waren viel Schrott und überdrehte Erwartungen, Appel hat gezielt aussortiert und - was sich wirklich lohnte - integriert. Seit dem bisherigen Rekdordjahr der Firmengeschichte, 2006, ist der Konzern in ein tiefes Loch gefallen. Der Aktienkurs der Post übersprang zwar mit Bekanntgabe der aktuellen Quartalszahlen das erste Mal seit rund vier Jahren wieder die Marke von 15 Euro, ist aber noch weit vom Ausgabekurs aus dem Jahr 2000 - 21 Euro - entfernt.
Nur zögerlich kehrt das Vertrauen der Anleger zurück, dass nicht doch noch irgendwo negative Überraschungen in der Post-Bilanz schlummern. Angesichts der Turbulenzen in der Weltwirtschaft ist Langeweile ein wichtiges Kriterium beim Aktienkauf. Beim Kampf ums Anlegervertrauen kann sich Appel auf die Unterstützung weiter Teile der deutschen Politik stützen. Auch das zeigt sich in den Quartalszahlen. Die werden durch Umsatzsteuernachzahlungen an die Finanzbehörden belastet, die zwar millionenschwer ausfielen, aber nach einem jahrelangen Streit noch deutlich höher hätten angesetzt werden können.
Und dann ist da noch das neue Postgesetz. Philipp Rösler will sich dadurch als echter Marktliberaler positionieren und die Post zugunsten der Wettbewerber beim inländischen Briefgeschäft schwächen. Union und einige FDP-Politiker betreiben lieber mit dem Scheitern des Gesetzes Kurspflege bei der Post-Aktie. Schließlich hält der Bund über die staatseigene KfW-Bank noch 30,5 Prozent der Anteile. Deshalb: Ein langweiliges Unternehmen, in das man ruhigen Gewissens sein Geld stecken kann, mag die Post mittlerweile wieder geworden sein. Ein normales Unternehmens wird sie erst, wenn sich der Staat als Aktionär ganz zurückgezogen hat.