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Merken   Drucken   06.11.2008, 16:08 Schriftgröße: AAA

Angst vor Abschwung: EZB stellt weitere Zinssenkungen in Aussicht  

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins um 50 Basispunkte auf 3,25 Prozent gesenkt. Allerdings dürfte das nur der Anfang eines längeren Lockerungskurses sein. Denn laut EZB-Präsident Trichet könnte 2009 bereits Preisstabilität erreicht werden. von Mark Schrörs und Tobias Bayer (Frankfurt)
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  hatte einen Zinsschritt bereits vergangene Woche in Aussicht gestellt. Am Donnerstag ließ er den Worten Taten folgen und nahm den Leitzins um 50 Basispunkte auf 3,25 Prozent zurück. Auf der Pressekonferenz sagte Trichet: "Wir haben verschiedene Optionen diskutiert, so eine Senkung um 50 Basispunkte oder eine Senkung um 75 Basispunkte." Die Entscheidung sei dann aber für angemessen befunden werden, sei sei auch einstimmig beschlossen worden.
Optimistisch äußerte sich der Notenbankpräsident zur Teuerungsgefahr. Demnach erwartet Trichet, dass im kommenden Jahr die Inflation den Zielwert von 2,0 erreichen könnte. "Der Ausblick für die Preissteigerung hat sich deutlich verbessert." Zuletzt lag die Inflation in der Euro-Zone bei 3,2 Prozent. Der Euro gab 1,33 Prozent zum Dollar nach und fiel auch gegenüber dem Yen. Für einen Euro mussten am Nachmittag rund 1,27 $ gezahlt werden.
Aus Sicht der Experten dürfte jetzt beinahe ausgemacht sein, dass der Leitzins weiter sinken wird - eventuell gar auf das bisherige historische Tief von 2,0 Prozent oder sogar darunter. Das ergab die jüngste FTD-Zinsumfrage. "Trichets Äußerungen deuten in unerwartet seltener Klarheit darauf hin, dass die Bank ihren Leitzins vermutlich bereits Anfang Dezember weiter senken dürfte, und zwar um 50 Basispunkte auf 2,75 Prozent", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt von der Commerzbank.
Auch die Notenbank der Schweiz wurde am Donnerstag aktiv. Für Marktbeobachter völlig überraschend senkte die Schweizer Notenbank die Spanne für den Zinssatz um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent im Mittel. Die nächste Ratssitzung war eigentlich auf 11. Dezember terminiert. "Der Ausblick der Weltwirtschaft hat sich deutlich schlechter entwickelt als ursprünglich erwartet. Der Fall des Ölpreises und die Aufwertung des Schweizer Franken verstärken den Rückgang der Teuerung", teilte die Notenbank am Donnerstag mit.

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