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Merken   Drucken   16.11.2011, 15:24 Schriftgröße: AAA

Anleihemarkt: Anleger quetschen Portugal aus

Die Entspannung am europäischen Anleihemarkt ist schon nach wenigen Stunden verpufft. Das arme Land - längst unter dem Rettungsschirm - muss für extrem kurz laufende Anleihen um die fünf Prozent Zinsen zahlen. Deutschland dagegen leiht sein Geld fast für lau.
Welcher Staat birgt mit seinen Schulden die größte Gefahr?

 

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Die Lage am Markt für europäische Staatsanleihen bleibt äußerst angespannt. Deutlich wurde dies am Mittwochmittag bei einer Auktion portugiesischer Schulden. Das Land ist bereits unter dem Rettungsschirm der Euro-Zone.
Das ärmste Land Westeuropas brachte drei- und sechsmonatige Staatsanleihen im Gesamtwert von 1,23 Mrd. Euro unter. Über die Tranche mit einer Laufzeit von sechs Monaten beschaffte sich das Land 350 Mio. Euro, eine Tranche über drei Monate spülte 773 Mio. Euro in die Kassen des portugiesischen Staates.
Zwar bekommen die Portugiesen weiterhin frisches Geld, müssen dafür aber tief in die Tasche greifen. Für dreimonatige Papiere zahlte Portugal Durchschnittszinsen von 4,895 Prozent. Im Vergleich zur letzten entsprechenden Ausgabe Anfang des Monats ist dies aber ein minimaler Renditerückgang von 0,002 Prozentpunkten. Die Emission sei 2,4-fach überzeichnet gewesen, hieß es. Für die sechsmonatigen Anleihen leistete das Land einen Zinsdienst von 5,25 Prozent. Das Verhältnis der Nachfrage zum Angebot lag bei 4,1.
"Für diese sehr kurzläufigen Kredite zahlen wir immer noch sehr hohe Zinsen, das Risiko Portugal sinkt also immer noch nicht", sagte Filipe Silva von der Banco Carregosa der Nachrichtenagentur dpa. Seit der Unterzeichnung des Hilfsabkommens mit der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) im Mai war es jetzt bereits das 18. Mal, dass Portugal Kredite an den Märkten aufgenommen hat. Bis Ende des Jahres will Lissabon bei drei weiteren Ausgaben insgesamt knapp 4 Mrd. Euro bekommen.
Auch die Erholung für die Staatsanleihen Italiens, Spaniens und Frankreichs war am Mittwoch nur von kurzer Dauer. Zehnjährige Anleihen Spaniens rentierten vier Basispunkte höher bei 6,31 Prozent. Zuvor hatten sie zwischenzeitlich 16 Basispunkte niedriger rentiert als am Vorabend. Bei Italien-Bonds lag die Rendite nur noch zwei Basispunkte niedriger bei 7,03 Prozent. Im Tagesverlauf hatte sie zeitweise 32 Basispunkte nachgegeben.
"Es sieht so aus, als hätte die EZB mit den Anleihen-Käufen wieder aufgehört", sagte ein Händler in London der Nachrichtenagentur Reuters. Am Morgen hatten großvolumige Stützungskäufe die Renditen noch tief gehalten. Immer mehr Stimmen aus der Volkswirtschaft, Politik und von den Finanzmärkten drängen die EZB in der derzeitigen Situation dagegen, ihre dosierten Käufe einzustellen und stattdessen feste Ziele für die Renditeabstände zu definieren und diese mit unbegrenzten Stützungskäufen an den Börsen auch zu halten.
Danach sieht es derzeit nicht aus - auch nicht bei den "AAA"-Staaten, die seit Beginn der Woche unter massiven Verkäufen leiden. Frankreich-Bonds mit zehn Jahren Laufzeit rentierten zuletzt zwei Basispunkte höher bei 3,69 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen markierte mit bis zu 193 Basispunkten einen weiteren Euro-Ära-Rekord. Bei zehnjährigen Bundespapieren lag die Rendite im späten Mittagshandel einen Basispunkt höher bei 1,79 Prozent.

Seite 2: Deutsche Minizinsen

  • FTD.de, 16.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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