Eine invertierte Zinskurve ist ein Zeichen wachsenden Misstrauens gegen einen Staat. Die Anleger schätzen die Situation in der Ferne positiver als in der näheren Zukunft. Sie rechnen auf kurze Sicht nicht damit, dass der Staat die Lage noch in den Griff bekommt und sie ihr Geld zurückerhalten.
"Sobald sie invers wird, ist es ein Zeichen, dass der Markt etwas ganz Schwerwiegendes erwartet in Richtung eines Haircuts oder Ausfallrisiken", sagt Harvinder Sian, Stratege für festverzinsliche Papiere bei der Royal Bank of Scotland. "Es bringt weitere Dynamik in die Entwicklung dieser sehr angeschlagenen Märkte."
Zweijährige griechische Bonds begannen einen Monat, bevor das Land sein erstes Rettungspaket beantragte, höher zu rentieren als zehnjährige griechische Anleihen. Bei Portugal ist die Renditekurve eine Woche vor dem Hilfeersuchen invers geworden.
Extrembeispiel Griechenland
Eine normale Zinskurve verläuft genau anders herum: Je länger ein Anleger sein Geld einem Gläubiger leiht, desto mehr Zinsen kriegt er dafür. Denn je größer der Verleih-Zeitraum ist, desto größer das Risiko der Geldentwertung durch zum Beispiel Inflation oder unvorhersehbare Ereignise.
Das Extrembeispiel für eine invertierte Kurve sind die Griechen: Zweijährige Papiere rentieren mit 127 Prozent, fünfjährige mit 46 Prozent und zehnjährige mit 31 Prozent. Italien-Bonds mit zehnjähriger Laufzeit rentierten derzeit mit 7,1 Prozent.
Am Montag rentierten zweijährige Italiener knapp über 7,1 Prozent, fünfjährige bei 7,5 Prozent. Insgesamt gibt es derzeit bei den kürzeren Laufzeiten starke Schwankungen beim Kurs. Die Rendite einer Anleihe setzt sich dabei aus dem festgesetzten Zins (Kupon) und der Differenz von Kurswert und Nominalwert zusammen.