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Merken   Drucken   06.11.2010, 10:00 Schriftgröße: AAA

Anleihen: Die Rückkehr der Pfandbriefe

In der Krise ist der Markt für Pfandbriefe und andere Covered Bonds auf die Hilfen der EZB angewiesen. In den Kernländern Europas funktionieren die Märkte wieder fast reibungslos. Probleme bleiben in Irland, Spanien und Portugal. von Mareike Scheffer
Der Markt für Pfandbriefe und ähnliche Schuldtitel ist wieder voll im Tritt. So konnten europäische Banken seit Jahresbeginn rund 155 Mrd. Euro mithilfe dieser Papiere refinanzieren, wie Zahlen der DZ Bank  zeigen. Für Banken sind diese Schuldverschreibungen, die meist mit Immobiliendarlehen oder Kredite an die öffentliche Hand besichert sind, eine stabile Refinanzierungsquelle, über die sie frische Mittel hereinholen können. Insgesamt haben Europas Banken 2400 Mrd. Euro dieser Papiere - eine international beliebte Erfindung aus Deutschland - ausstehen.
Mitgezählt werden solche Emissionen, bei denen die Banken auf einen Schlag mindestens 500 Mio. Euro bei den Investoren loswerden. Solche Papiere sind tendenziell besser handelbar. Früher lag dieser Richtwert bei 1 Mrd. Euro, das waren die sogenannten Jumbo-Transaktionen - das Aushängeschild für den europäischen Pfandbriefmarkt.
Doch die Krise hat die Schwächen des lange Jahre gepriesenen Jumbo-Marktes offenbart. Für die einst hochliquiden, weil jederzeit in fast jedem Umfang handelbaren Papiere fanden sich in Krisenzeiten keine Käufer mehr. Die Banken, die sich zum Handel mit den Papieren verpflichtet hatten und sich daher Market-Maker nannten, stellten im Herbst 2007 erstmals für viele Papiere keine Kurse mehr. Die Folge: Der Handel brach zusammen.
Sorgenkind Sekundärmarkt Zwar ist die Panik von einst mittlerweile verflogen. Geblieben ist aber das Sorgenkind, ein nur sehr bedingt funktionierender Sekundärmarkt. Denn der Handel mit den Papieren ist seit der Krise nicht wieder richtig in Schwung gekommen - und das europaweit. Somit ist es für Investoren schwierig, Papiere in großem Umfang am Markt aufzukaufen.
Genau dadurch erklärt sich mitunter auch die immense Nachfrage nach neuen Papieren. "Der Primärmarkt ist nach wie vor aufgrund der fehlenden Liquidität im Sekundärhandel aktuell fast die einzige Möglichkeit für Investoren, Neuengagements einzugehen", sagt Sebastian Sachs, Analyst der DZ Bank. Der Handel mit den Papieren sei nahezu unverändert. "Die Lage hat sich sogar eher in den vergangenen Wochen noch leicht verschlechtert", so Sachs weiter.
Neue Papiere schießen aus dem Boden An neuen Papieren mangelt es hingegen nicht. Besonders seit der Sommerpause geht es am Markt wieder rund. Allein im September emittierten Banken europaweit rund 26 Mrd. Euro, wie Daten der DZ Bank belegen. Aktiv sind vor allem spanische Banken, deren neue Papiere rund 16 Prozent aller Emissionen in diesem Jahr ausmachen. Die Anteile deutscher gedeckter Bonds liegen mit sechs Prozent für Hypothekenpfandbriefe und neun Prozent für Öffentliche Pfandbriefe eher im Mittelfeld. "Deutsche Emittenten haben in den zurückliegenden Monaten eher auf kleinvolumige Anleihen zurückgegriffen", sagt DZ-Bank-Experte Sachs.
Doch dass das Geschäft mit neuen Covered Bonds einmal wieder so rund laufen würde, war vor Monaten von Vielen noch angezweifelt worden. Denn schließlich war auch die Neuemission inmitten der Finanzkrise fast völlig zum Erliegen gekommen. Als die Anleger rund um die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in Panik verfielen, weigerten sich viele Investoren monatelang irgendein Risiko einzugehen. Dahinter steckten auch die schlechten Erfahrungen mit Papieren, die minderwertige Hausdarlehen aus den USA verbrieften.

Teil 2: Wie die EZB das Vertrauen der Investoren zurückgewann

  • FTD.de, 06.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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