Angst um den spanischen Bankensektor belasten den Euro und führen zu einem Preisverfall bei Rohstoffen. Die Gemeinschaftswährung verlor am Dienstag gegenüber dem Dollar 1,3 Prozent und wurde bei 1,2190 $ gehandelt. Das ist nahe am Vierjahrestief von 1,2143 $, das sie am 19. Mai erreicht hatte. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich deutlich und rutschte unter die Marke von 68 $ je Fass (je 159 Liter). Der Terminkontrakt zur Lieferung im Juli wurde bei 67,82 $ gehandelt. Das sind 3,4 Prozent weniger als am Montag.
Neben Griechenland und Portugal wird insbesondere die Lage in Spanien kritisch gesehen. Die spanischen Sparkassen gelten wegen ihres hohen Bestandes an Immobilienkrediten als Risikofaktor. Nachdem die Zentralbank am Samstag Cajasur gestützt hatte, forderte der Internationale Währungsfonds die Regierung zum Handeln auf. Am Dienstag schlossen sich vier Sparkassen zusammen. Wirtschaftsministerin Elena Salgado mahnt zur Eile.
Für Anleger sind die Spannungen im spanischen Bankensystem eine erhebliche Irritation. "Was in Spanien passiert, schürt Ängste um die Euro-Zone", sagte Henrik Gullberg, Währungsstratege der Deutschen Bank. "Der Kapitalmarkt ist besorgt, dass die Unsicherheit im Finanzsystem auf die Realwirtschaft überträgt."
"Sobald Spannungen im Bankensystem auftreten, kommt die Sorge auf, dass die Regierung zu spät handelt und ein Domino-Effekt eintritt", sagte Mohamed El-Erian, Co-Chef des weltweit größten Anleiheinvestors Pimco. "Am Ende können gewaltige Turbulenzen entstehen." Seit Jahresbeginn verlor der Euro 6,7 Prozent gemessen an dem Bloomberg Correlation-Weighted-Index. Über den gleichen Zeitraum kletterte der Dollar um elf Prozent, der Yen wertete um 15 Prozent auf.
Wie die in den USA und Asien leiden auch die Börsen in Europa massiv unter den Krisennachrichten aus Spanien. Der Dax fiel um 2,1 Prozent auf 5682 Punkte. Zeitweise stürzte der Leitindex auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Der europäische Stoxx 50 gab um 2,6 Prozent nach. In Paris sank der CAC 40 um 3,8 Prozent, der Londoner FTSE 100 verlor 2,8 Prozent. Der spanische Ibex knickte um 4,5 Prozent ein.
Am Geldmarkt lassen sich die Spannungen ablesen. Die dreimonatige US-Libor-OIS-Differenz - ein Maß für die Bereitschaft der Banken, sich gegenseitig Geld zu leihen - erreichte am Montag den höchsten Stand seit zehn Monaten. Der zweijährige Swap-Spread weitete sich um 8,5 auf 60 Basispunkte aus. Seit Ende April verdoppelte er sich damit.
Die Furcht vor Staatspleiten nimmt wieder zu. Der Kreditderivate-Index Itraxx SovX Western Europe, der die Kurse von Credit Default Swaps (CDS) auf Schuldtiteln 15 europäischer Länder wiedergibt, weitete sich um 13 auf 154 Basispunkte aus. CDS-Papiere auf Portugal verteuerten sich um 32 auf 363 Basispunkte. Um 10 Mio. Euro an portugiesischen Staatsanleihen zu versichern, wird eine jährliche Prämie von 363.000 $ fällig.
Allgemein herrscht auf dem Kapitalmarkt große Nervosität. Anleger lösen riskante Positionen auf. Als ein Indiz kann der Kurs des australischen Dollars herangezogen werden. Der Aussie profitiert als Hochzinswährung von Carry-Trades. Diese Transaktionen werden rückgängig gemacht: Der australische Dollar verlor am Dienstag 1,8 Prozent zum Yen und fiel zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten. Der neuseeländische Dollar büßte 0,8 Prozent ein, nachdem er in der Spitze auf 65,61 Cent gefallen war. Das ist das tiefste Niveau seit dem 31. Juli.