Einige Experten halten die Banken für unterkapitalisiert
Auch wenn der private Konsum in den USA langsam zulegt – schneller als in Europa wächst er trotzdem. In der Europäischen Währungsunion stagniert der Konsum seit Mitte 2009. Experten erwarten, dass dieser Trend anhält, die die Sparanstrengungen vieler EU-Staaten vor allem die Verbraucher belasten.
In vielen Euro-Ländern sinken die Immobilienpreise weiter. Außerdem ist im Euro-Raum der Anteil der Wohnungsbauinvestitionen am BIP laut den Commerzbank-Experten deutlich zurückgegangen – Deutschland herausgerechnet von 6,7 Prozent Anfang 2007 auf 5,1 Prozent Anfang 2010. Damit liege der Anteil in etwa auf dem Niveau von vor dem Boom. Normalerweise komme es nach dem Platzen von Blasen aber zu einem Überschießen – in den USA etwa seit der Anteil auf 2,4 Prozent geschrumpft, während der Nachkriegsdurchschnitt 4,7 Prozent betrage. Die Korrektur am Immobilienmarkt sei in den USA deutlich weiter, schlussfolgern die Commerzbank-Ökonomen.
Kreditklemme könnte Aufschwung gefährden
Um den Kapitalmarkt zu besänftigen, schlugen mehrere europäische Länder einen strikten Sparkurs ein. Spanien, Portugal und Griechenland würden ihre Ausgaben von 2009 bis 2011 um durchschnittlich 4,3 Prozent des BIPs senken, schätzt Gilles Moec, Volkswirt bei der Deutschen Bank. Das wiederum könnte die Erholung gefährden, sagt Mansoor Mohi-Uddin, Leiter Währungsstrategie bei UBS: "Wir hinterfragen weiterhin die Kraft der Erholung und der Euro-Stärke. Schließlich schränken sich die Regierungen enorm ein." Die UBS nahm die Wachstumsprognose für die Euro-Zone von 2,0 auf 1,5 Prozent zurück.
Trotz der Stresstests halten Experten das europäische Bankensystem für unterkapitalisiert. Das wiederum könnte dazu führen, dass die Geldhäuser weniger Kredite vergeben. Alarmierend für die Skeptiker ist die jüngste Kreditumfrage der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei der Umfrage gab es ein Überhang von elf Prozent der Banken, die eine Straffung der Kreditvergabe sehen.
Die Banken gehen davon aus, dass sie im dritten Quartal die Bedingungen der Darlehensvergabe weiter verschärfen werden. "Wir rechnen in unserem Basisszenario mit einem schwachen Aufschwung in der Euro-Zone, der mit einer geringen Kreditvergabe einhergeht", sagt Elga Bartsch, Volkswirtin bei Morgan Stanley. "Möglich ist aber weiterhin eine richtige Kreditklemme. Das würde zu einem Einbruch der Investitionsausgaben führen."