So stieg das Volumen der Reverse Convertibles, wie diese Produkte auch genannt werden, allein zwischen Anfang Januar und Ende Mai um annähernd 150 Prozent - wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. Die Zahl der begebenen Papiere hat sich im selben Zeitraum von 8400 auf über 13.700 erhöht.
Bislang beziehen sich Reverse Convertibles fast immer auf Aktien und Indizes. Nun hat Goldman Sachs drei kleine Serien mit jeweils drei Reverse Convertibles auf Öl, Gold und Silber emittiert.
Risikobereite Anleger dürfte dabei insbesondere die hohe Verzinsung locken. So ist die Rohstoff-Reverse-Convertible-Anleihe auf den Future der Ölsorte Brent mit Fälligkeit Ende Januar 2010 mit einem Kupon von 8,15 Euro ausgestattet. Bei einem aktuellen Kurs des Derivats von 101,40 Euro entspricht dies einer jährlichen Rendite von 16,2 Prozent - vorausgesetzt, das Fass Öl, das derzeit knapp 74 $ kostet, notiert in rund fünfeinhalb Monaten auf oder über dem Basispreis von 70 $. Andernfalls orientiert sich die Rückzahlung an der Performance des Basiswerts und wird dann natürlich unter dem Nominalwert der Anleihe von 100 Euro liegen.
Die ertragsstärkste Silberanleihe bringt es derzeit sogar auf eine Maximalverzinsung von 17,3 Prozent per annum, während es bei Gold immerhin noch 11,5 Prozent sind.
Anleger dürfen nicht übersehen, dass die Verluste bei ungünstiger Entwicklung deutlich höher ausfallen können. Da der Kupon in jedem Fall gezahlt wird, geraten Anleger bei dem oben beschriebenen Papier in die Verlustzone, wenn Brent Ende Januar 2010 unterhalb von 65,28 $ notiert.
Handel an der Börse "dirty"
Im Gegensatz zu den meisten Aktien- und Indexanleihen werden die neuen Reverse Convertibles auf Rohstoffe an der Börse "dirty" gehandelt. Dies bedeutet, dass aufgelaufene Zinsansprüche bereits im Preis enthalten sind. "Auch ohne komplizierte Zinskalkulationen weiß der Anleger damit stets, welchen Betrag er für das Produkt aktuell bekommt oder zu zahlen hat", sagt Christian Schmitz vom Frankfurter Goldman-Derivateteam.
Nach Aussagen des Zertifikateexperten soll es sich bei der Emission um den Auftakt zu einer größeren Serie von Rohstoff-Reverse-Convertible-Anleihen handeln. So seien vergleichbare Produkte auch auf verschiedene Rohstoffsubindizes oder auch auf Agrarrohstoffe denkbar, sofern sich hier attraktive Konditionen darstellen lassen. "Eine aufs Jahr umgerechnete Rendite im unteren zweistelligen Bereich sollte es nämlich schon sein, um hinreichendes Interesse bei Investoren zu wecken", sagt Schmitz.