Denn der Pfandbrief profitiert wesentlich von dem Glauben der Investoren, dass andere Pfandbriefbanken und die deutschen Aufsichtsbehörden niemals zulassen würden, dass eine Pfandbriefbank Insolvenz anmelden muss. Dieses implizite Stützungsversprechen wird zwar nie offiziell artikuliert, gilt aber dennoch als gesetzt.
Pfandbriefe sind Bankanleihen, die zusätzlich durch Hypothekendarlehen oder Staatskredite besichert sind. Bei der Pleite der Bank sollen diese Sicherheiten den Pfandbriefbesitzer vor Schaden schützen. Anleger haben also sowohl Ansprüche gegen die Bank als auch gegen diesen Sicherheitenpool. Das dritte Standbein ist der implizite Stützmechanismus, nach dem die Branche - oder der Staat - es gar nicht darauf ankommen lässt, dass Anlegern nur noch der Sicherheitenpool bleibt.
Für Hendrik Kollmann, Finanzexperte bei der Beratungsfirma Bearing Point, ist dieser "systemische Schutz" ein wichtiger Grund dafür, dass Pfandbriefe sich während der Krise vergleichsweise gut geschlagen haben. Pfandbriefexperten äußern vor diesem Grund Unverständnis darüber, dass das Rettungspaket für die
Hypo Real Estate am Wochenende erneut aufbrach.
Dabei hatten auch Regierungsvertreter den Eindruck erweckt, die Bedeutung des Pfandbriefs für die Bankenbranche hoch einzuschätzen. So hatte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen am Mittwoch auf einer Konferenz in Berlin den Pfandbrief als "eines der wenigen funktionierenden Refinanzierungsinstrumente für Banken" bezeichnet.
Zwar würde eine HRE-Pleite nicht gleich bedeuten, dass ein Pfandbriefbesitzer zu Schaden kommt. Doch wie gut Pfandbriefanleger bei einer Bankpleite fahren, wurde bislang nie getestet. Der Schock wäre zunächst so groß, dass der Pfandbriefe als Finanzinstrumente vorerst nicht mehr nutzbar wären, fürchten Banker. Das Misstrauen der Finanzmärkte würde sich dann sofort gegen andere Pfandbriefhäuser wie die
Commerzbank -Tochter Eurohypo, die Aareal Bank aber auch Landesbanken richten.