Ursprünglich beschrieb der Eiertanz einen "kunstvollen Tanz zwischen ausgelegten Eiern", wie er früher aufgeführt wurde. Heute erklärt der Duden den Begriff als ein "sehr vorsichtiges, gewundenes Verhalten und Taktieren in einer heiklen Situation". Eine Illustration dieser Kunst nach der Duden-Definition lieferte Bundesbankchef Jens Weidmann, als er am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresergebnisses 2011 über Target-Salden sprach.
Heikel ist die Situation. Über die Target-Plattform wickeln Euro-Notenbanken ihren grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in der Währungsunion ab. Knapp 2500 Mrd. Euro werden so täglich bei rund 350.000 Zahlungen bewegt. In normalen Zeiten würden allenfalls ein paar geldpolitische Techniker über das Targetsystem nachdenken.
Doch in der Finanzkrise sind bei der Bundesbank Targetforderungen von inzwischen 547 Mrd. aufgelaufen - Tendenz steil steigend. Hans-Werner Sinn, der Chef des Ifo-Instituts, hat bei den Deutschen Ängste geweckt, dass beim Zerfall der Währungsunion oder beim Euro-Austritt Griechenlands Milliardenverluste auf die Bundesbank zukommen. Das macht die Targetsalden zu Weidmanns Problem.
Doch wenn der Bundesbankchef über das Problem spricht, ist er zu sehr vorsichtigem, gewundenem Verhalten und Taktieren gezwungen, ganz so, wie es die Eiertanzdefinition verlangt. Denn auch wenn die Finanzmärkte einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für höchst wahrscheinlich halten und selbst einen Kollaps der Währungsunion nicht ausschließen: Solche Vorgänge sind "im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union nicht geregelt" und überhaupt "unwahrscheinlich", wie ein dreiseitiger Erklärtext zu den Targetsalden im Geschäftsbericht der Bundesbank klar stellt.
Teil 2: Potenzieller Verlust läge unter absoluten Forderungen