Die Jagd auf den untergetauchten Hedge-Fonds-Manager Florian Homm ist vorerst abgeblasen. Privatermittler Josef Resch, der den mutmaßlichen Millionenbetrüger im Auftrag geprellter Anleger aufspüren sollte, wurde Ende vergangener Woche aufgefordert, seine "Ermittlungstätigkeit unverzüglich einzustellen".
Die Anwälte seiner Auftraggeber begründen den Schritt damit, dass ihre "Mandantschaft von unbekannten Personen massiv bedroht worden ist". Es sei ihnen klargemacht worden, dass diese Bedrohungen "im Zusammenhang mit Ihren Ermittlungstätigkeiten in Sachen Homm stehen", heißt es in einem Schreiben der Anwälte an Resch, das der FTD vorliegt.
So findet die Jagd auf Homm ein überraschendes Ende - ausgerechnet jetzt, da Resch den Hauptaufenthaltsort des Flüchtigen in Venezuela lokalisiert haben will. Höhepunkt der Jagd war ein Video, in dem Ermittler Resch 1,5 Mio. Euro Kopfgeld präsentierte - für Hinweise, die zur Ergreifung des ehemaligen Börsengurus führten.
Seit knapp fünf Jahren ist der frühere Hedge-Fonds-Manager untergetaucht. Und mit ihm viele Millionen. Vor gut einem Jahr hat die US-Börsenaufsicht SEC Homm angeklagt. Zusammen mit zwei Partnern soll er mindestens 63 Mio. Dollar ergaunert haben, indem er die Wertentwicklung seiner Fonds um rund 500 Mio. Dollar zu hoch angegeben habe. Ehemalige Investoren sprechen von weit höheren Schäden. Mehrere Hedge-Fonds beschuldigen Homm, allein von ihnen rund 195 Mio. Dollar erschlichen zu haben. Zudem sucht die US-Drogenpolizei den Deutschen. Der Verdacht: Homm könnte als Finanzexperte in die Geldwäsche südamerikanischer Drogenkartelle verwickelt sein.
Der Großneffe des verstorbenen Versandhauskönigs Josef Neckermann war einst das Enfant terrible der Finanzbranche, die Verkörperung der skrupellosen Heuschrecke. Zu seinen besten Zeiten verwaltete er mit seinem Absolute Capital Management über 3 Mrd. Dollar Kundenvermögen. Doch die vermeintlichen Gewinne waren künstlich aufgepumpt. Als die Blase 2007 zu platzen drohte, tauchte er ab.
Nachdem Reschs Auftraggeber das Kopfgeld auf Homm ausgelobt hatten, gingen viele Hinweise bei dem Privatermittler ein. Zuletzt, so Resch, häuften sich Tipps aus der Schweiz, über die Homm wohl noch Geschäfte laufen lässt. Banker und ehemalige Unternehmer boten ihre Hilfe an. "Neun von zehn Informationen verfolgten aber nur ein Ziel", sagt Resch. "Sie wollten wissen, was ich weiß - wahrscheinlich im Auftrag von Homm."
Dennoch gingen nützliche Hinweise ein, über Aufenthalte in Afrika und über Geschäfte, die über Kambodscha laufen. Letztlich, so Resch, haben aber Angaben aus dem familiären Umfeld den Hauptaufenthaltsort von Homm verraten. Er soll in einem kleinen Ort bei Caracas leben. Nicht pompös, sondern in einem Bungalow. Nachbarn haben Homm identifiziert. In Venezuela fühlt Homm sich sicher, er braucht nicht zu fürchten, an die verhassten USA ausgeliefert zu werden. Zurzeit soll Homm in der Karibik sein. Auf einer Jacht, zusammen mit einem Schweizer Geschäftsmann.
Die Gewaltdrohungen gegen seine Auftraggeber sieht Resch als letztes Mittel eines Mannes, der sich in die Enge getrieben fühlt. Erst vor wenigen Tagen war den US-Behörden der ebenfalls untergetauchte deutsche Millionenbetrüger Ulrich Engler ins Netz gegangen. Über 100 Mio. Dollar soll Engler von seinen Investoren abgestaubt haben, unter falscher Identität lebte er fünf Jahre in den USA - und fühlte sich sicher. "Als Engler gefasst wurde, ist Homm bewusst geworden, dass auch seine Flucht endlich ist", sagt Resch.
Auch Resch wurde bedroht. Drei Männer suchten sein Wohnhaus auf, stellten seine Frau und forderten Resch, der sich gerade im Ausland aufhielt, dann per Telefon auf, den Fall Homm ruhen zu lassen. Nach dem Telefonat verständigte Resch umgehend die Polizei, die die Personalien der drei Männer feststellen konnte. Der Fall ist somit bei der örtlichen Polizei aktenkundig. Anzeige erstattete Resch aber nicht: "Ich habe keine Angst vor Homm", sagt er.
Auch wenn der Ermittler Verständnis für die Entscheidung seiner Auftraggeber hat, rumort es in ihm. Er müsse die Fahndung ruhen lassen, "ich habe ja kein Mandat mehr", sagt er. Aber so kurz vor dem Ziel aufzuhören, das passe ihm gar nicht. Zu viel Zeit und Geld habe er investiert. Sein Honorar, das mehrere Millionen Euro betragen sollte, wäre erst im Erfolgsfall fällig geworden. Aber vielleicht, sagt er und lächelt dann doch, habe er ja schon bald einen neuen Auftraggeber. "Homm hat schließlich viel verbrannte Erde hinterlassen."