Wieder gibt es Mutmaßungen über eine Rettungsaktion für das hoch verschuldete Land. Prompt lassen Anleger das Lissabon spüren. Sie stufen fünfjährige Staatsanleihen als genauso riskant ein wie Bonds mit doppelt so langer Laufzeit.
Spekulationen über eine bevorstehende EU-Rettungsaktion für Portugal haben die Risikoprämien auf Staatsanleihen des Landes in die Höhe katapultiert. Erstmals seit Einführung des Euro stiegen die Renditen auf Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren über die Marke von sieben Prozent.
Viele Anleger zittern um Portugal
Mit einem Tageshoch von 7,13 Prozent lagen sie nur knapp unter den Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen, die am Donnerstag zeitweise 7,51 Prozent erreichten. Zum Vergleich: Fünfjährige Anleihen des ebenfalls angeschlagenen Nachbarlands Spanien rentierten am Donnerstag bei 4,5 Prozent. Obwohl auch Spanien hoch verschuldet ist, bringen die Anleger der Regierung in Madrid offenkundig deutlich mehr Vertrauen entgegen als der portugiesischen.
Händler führten den Anstieg auf eine Meldung der Zeitung "Jornal de Negocios" zurück, der zufolge die Bundesregierung Portugal zu einer Flucht unter den EU-Rettungsschirm drängt. Das Blatt berichtete ohne Angabe von Quellen, dem sei zur Annahme von Finanzhilfen noch vor dem EU-Gipfel im März geraten worden. Bereits Ende vorigen Jahres hatte die Bundesregierung nach dem Auftauchen ähnlicher Gerüchte mitgeteilt, sie dränge niemanden unter den Rettungsschirm.
Der portugiesische Kabinettsminister Pedro Silva Pereira betonte am Donnerstag, sein Land unternehme alle Anstrengungen zur Lösung der Schuldenkrise. Falls Europa jedoch mit einer umfassenden Antwort auf die Krise zögere, werde dies den Euro und alle EU-Mitgliedstaaten beschädigen. "Deshalb lautet unsere Botschaft: Portugal macht seine Arbeit. Aber Europa muss auch seinen Part übernehmen", sagte der Minister.
Pereira bezog sich damit offenbar auf die laufende Debatte über eine Ausbesserung des Euro-Rettungsschirms. Die dafür im Mai vergangenen Jahres zugesagte Summe von 750 Mrd. Euro steht faktisch nicht zur Verfügung.
Das Kernstück des Rettungsschirms, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität EFSF, kann trotz eines Bürgschaftsrahmens von 440 Mrd. Euro nur 250 Mrd. Euro an Krediten an notleidende Euro-Staaten aushändigen. Das liegt daran, dass die Kredite mit einer höheren Summe besichert werden müssen, wenn die EFSF die Spitzen-Bonitätsnote AAA behalten will. Das Top-Rating ermöglicht es der Zweckgesellschaft, die Mittel für die Rettungshilfen zu günstigen Konditionen an den Finanzmärkten aufzunehmen.
Obwohl die EFSF bislang nur für Irland Notkredite von 17,7 Mrd. Euro aufbringen muss, fürchten viele Analysten, dass ihre Kapazitäten nicht ausreichen werden, falls auch Portugal und eventuell Spanien unter den Rettungsschirm schlüpfen müssen. Deshalb hält die Angst vor einer Staatspleite dieser beiden Länder an.
Dass nicht alle Anleger in Panik sind, wurde allerdings am Mittwoch deutlich. Ein Angebot Portugals, im April und Juni auslaufende Staatsanleihen im Umfang von 9,5 Mrd. Euro zurückzukaufen, nahmen nur wenige Gläubiger in Anspruch: Die Regierung bekam nur Papiere im Wert von 215 Mio. Euro zurück, weil sie anstelle des Nennwerts nur den aktuellen Marktkurs zahlte. Eine Mehrheit der Investoren zog es vor, auf die Rückzahlung der vollen Summe im April oder Juni zu warten. Diese Anleger fürchten offenkundig nicht, dass Portugal bis dahin Pleite geht.
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