Die Furcht vor einem Zusammenbruch des spanischen Bankensystems hat am Mittwoch einen Ausverkauf auf den Anleihemärkten des Landes ausgelöst. Die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stiegen erstmals seit Ende April über die Marke von sechs Prozent. Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher, signalisieren also, dass sich Anleger von den Papieren trennen. Der spanische Leitindex Ibex 35 fiel um mehr als zwei Prozent. Größter Verlierer war das angeschlagene Geldhaus Bankia mit einem Minus von sechs Prozent.
Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Finanzkreise, die Regierung verlange von den Geldhäusern weitere Milliardenrückstellungen zur Absicherung fauler Darlehen. Erst zu Jahresbeginn hatte Madrid die Banken verpflichtet, ihre Risikovorsorge für Immobilienkredite kollektiv um 50 Mrd. Euro aufzustocken. Dem Reuters-Bericht zufolge soll diese Summe noch einmal um 35 Mrd. Euro erhöht werden. Dies werde das Kabinett am Freitag beschließen.
Erst am Montag war bekannt geworden, dass die Regierung eine Rettungsaktion für die Großsparkasse Bankia vorbereitet. Die Kosten werden auf bis zu 10 Mrd. Euro geschätzt. Der Bericht über neue Auflagen für die übrigen Institute nährte Befürchtungen, dass es um die Branche noch schlechter stehen könnte als bislang angenommen.
Die spanischen Banken hatten vor der Weltwirtschaftskrise mit großzügigen Krediten an Bauunternehmen und Hauskäufer einen Immobilienboom befeuert. 2008 platzte die Blase. Wegen Rezession und Arbeitslosigkeit kann eine steigende Zahl von Kreditnehmern ihre Schulden nicht mehr bedienen. Allein die Forderungen der Banken an Bauunternehmer belaufen sich auf fast 300 Mrd. Euro, gut die Hälfte dieser Kredite gilt als ausfallgefährdet.
Weitere Rettungsaktionen würden die spanischen Staatsschulden weiter in die Höhe treiben. Zwar sind die Verbindlichkeiten Spaniens gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) niedriger als die deutschen. Doch das Verhältnis verschlechtert sich rasant, in diesem Jahr rechnet die Regierung mit einem Anstieg der Schuldenquote auf 78 Prozent des BIP. Ein Ende der Abwärtsspirale aus Rezession und sinkenden Staatseinnahmen ist nicht in Sicht.