Das hochverschuldete Griechenland braucht nach Überzeugung der deutschen Industrie ein langfristiges Investitionsprogramm zur wirtschaftlichen Erholung. "Wir brauchen einen Businessplan", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, der Nachrichtenagentur dpa. "Jetzt müssen Wege gefunden werden, um den Griechen Zeit zu verschaffen, damit sie wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen."
Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wies Keitel strikt zurück. "Jede Lösung, die darauf abzielt, starke oder schwache Länder aus dem Währungsgebiet herauszulösen, wäre fatal sowie gefährlich und weit weg von der Realität." Auch ein radikaler Schuldenschnitt in Griechenland allein sei keine Lösung.
Nötig sei neben Finanzhilfen und Sparmaßnahmen ein auf mehrere Jahre angelegtes Paket, um das Land für Investoren attraktiver zu machen. "Griechenland benötigt ein Programm, mit dem nicht nur Ausgaben gekürzt, sondern auch Einnahmen generiert werden, die das Land heute nicht hat."
Nach den Worten Keitels geht es dabei weniger um neue Transfers. Vielmehr müssten die Investitionsbedingungen verbessert werden. Dies betreffe neben Sicherheit für ein Engagement ausländischer Investoren auch Bürokratieabbau, Steuerehrlichkeit und Transparenz, sagte der BDI-Präsident, der als Ex-Hochtief-Chef unter anderem an der Teilprivatisierung des Athener Flughafens mitgewirkt hatte.
"Man muss gemeinsam mit der griechischen Regierung versuchen, marktwirtschaftliche Erträge zu organisieren." Dies sei aber nicht kurzfristig machbar. "Das dauert nicht zwei, drei Monate, sondern mindestens fünf Jahre, wenn nicht gar zehn Jahre", sagte Keitel.
Teil 2: Keiner investiert aus Nächstenliebe in Griechenland