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Merken   Drucken   27.04.2012, 13:58 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Briten fordern Nothilfen für Euro-Banken

Die britische Finanzaufsicht heizt die Debatte über neue Aufgaben für den Euro-Rettungsfonds an: Strauchelnde Banken sollten sich dort direkt bedienen dürfen. Die Bundesregierung ist strikt dagegen.

Angesichts der Zuspitzung der Lage in Spanien heizt die britische Finanzaufsicht FSA die Debatte über einen europäischen Bankenrettungsfonds an. Notleidende Kreditinstitute sollten mit Mitteln aus dem Euro-Rettungsschirm gepäppelt werden, sagte Chefaufseher Adair Turner laut vorab verbreitetem Redetext auf einer Konferenz der irischen Zentralbank. Der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) sollte ermöglicht werden, "eine direkte Rolle bei der Rekapitalisierung nationaler Banken in der Peripherie zu übernehmen", empfahl Turner.

Auch dem britischen Chefaufseher Turner bereitet die Krise auf dem ...   Auch dem britischen Chefaufseher Turner bereitet die Krise auf dem Kontinent Kopfzerbrechen

Turners Worte machen deutlich, dass die Situation in Spanien auch dem Nicht-Euro-Land Großbritannien erhebliche Sorgen bereitet. Mit seiner Forderung nach einer direkten Unterstützung strauchelnder Banken aus den Euro-Rettungsfonds schließt sich der oberste britische Bankenaufseher dem Internationalen Währungsfonds (IWF) an. Bislang können Geldhäuser Mittel aus dem Rettungsfonds nur bekommen, wenn ihre Regierung ein Hilfspaket für das gesamte Land beantragt.

Der Nachteil: Wenn ein Krisenstaat Notkredite von den Euro-Partnern an die Banken weiterreicht, treibt das die Staatsschulden in die Höhe. Gerade Spanien könnte von einer direkten Unterstützung seiner Geldhäuser durch EFSF oder ESM profitieren. Denn die Banken sitzen nach Angaben der Zentralbank auf rund 175 Mrd. Euro an ausfallgefährdeten Immobilienkrediten. Viele Experten befürchten deshalb, die Regierung in Madrid werde zur Unterstützung der Institute früher oder später in die Staatskasse greifen und damit ihre Schulden weiter in die Höhe treiben. Das würde die Refinanzierungsprobleme des Landes verschärfen.

Die Bundesregierung lehnt direkte Notkredite der europäischen Rettungsfonds an angeschlagene Banken jedoch ab. "Diesen Weg halten wir nicht für geeignet", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Der Hintergrund: Bislang ist die Vergabe von Notkrediten der Euro-Partner mit harten Auflagen an die Empfängerländer verknüpft. Bei einer direkten Entlastung der Banken in Staaten wie Spanien sänke möglicherweise der Druck, die Staatsschulden so schnell wie möglich abzubauen. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Donnerstag berichtet, eine von dern Euro-Staaten eingesetzte Arbeitsgruppe prüfe Direkthilfen an notleidende Banken.

  • FTD.de, 27.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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