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Merken   Drucken   18.07.2012, 15:38 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Bund nimmt mit Schuldenmachen Geld ein

Für eine sichere Anlage nehmen Investoren derzeit auch Kosten hin. Der Bund wirft neue zweijährige Anleihen auf den Markt und kassiert dafür - insgesamt mehr als vier Milliarden Euro.

Die Euro-Krise erlebt ein weiteres Novum: Deutschland verdient zum ersten Mal Geld bei der mittelfristigen Schuldenaufnahme. Was zuletzt mit sechsmonatigen Papieren möglich war, gelang dem Bund dank seiner Rolle als ruhiger Ankerplatz für Anleger auch beim Verkauf von zweijährigen Schatzanweisungen. Die Auktion spülte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwoch 4,17 Mrd. Euro in die Kasse. Die Investoren nahmen eine negative Rendite von im Schnitt 0,06 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Damit kassierte der Bund eine Prämie, statt den Anlegern eine Rendite zu zahlen. Diese lag bei der vorherigen Emission noch bei plus 0,1 Prozent.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine herkömmliche Staatsanleihe - also Papiere mit Laufzeiten von zwei Jahren und mehr - auf eine negative Rendite kommt. Zwar war es dem Bund bisher schon mehrmals gelungen, Schulden zum Negativzins aufzunehmen. Allerdings handelte es sich hierbei immer um kurzfristige Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von unter einem Jahr.

Das Auktionsergebnis bedeutet, dass der Bund für die Kreditaufnahme nicht nur keine Zinsen mehr zahlen muss, sondern einen Überschuss erzielt. Umgekehrt legen Anleger drauf, obwohl sie dem Bund für zwei Jahre ihr Geld leihen. Dennoch blieb die Nachfrage nach den Anleihen robust. Das Auktionsergebnis spiegelt die Entwicklung an den Sekundärmärkten wider, wo umlaufende Staatsanleihen gehandelt werden. Hier ist die Rendite für zweijährige Staatsanleihen Deutschlands seit geraumer Zeit negativ - eine Folge der Schuldenkrise, die die Anleger Hände ringend nach sicheren Anlagen suchen lässt.

Real - also unter Berücksichtigung der Geldentwertung - zahlen die Investoren sogar noch viel mehr drauf. Bei einer Inflationsrate von derzeit 1,7 Prozent beträgt die Realrendite der Schatzanweisung minus 1,76 Prozent. Das bedeutet, dass ein Investor bei einem Anlagebetrag von beispielsweise 10.000 Euro pro Jahr 176 Euro verliert. Umgekehrt verdient der Bund: Im Fall einer veranschlagten Inflationsrate von durchschnittlich zwei Prozent ergibt sich ein Überschuss in Höhe eines hohen sechsstelligen Betrags. Diese Summe streicht der Staat für die Kreditaufnahme ein. Er verlangt also de facto eine Art Gebühr für die Vermögensaufbewahrung.

Seitdem die EZB vor zwei Wochen für viele Marktteilnehmer überraschend beschlossen hatte, keine Zinsen mehr auf Übernachteinlagen zu zahlen, müssen Anleger, die noch eine Rendite erwarten, immer stärker auf Papiere mit längeren Laufzeiten ausweichen. Profitiert hatten davon vor allem Staatspapiere aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und sogar aus Belgien. Die starke Nachfrage der Anleger ließ bereits eine Woche vor der Auktion die Renditen von am Markt gehandelten Bundespapieren mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren ins Minus abgleiten, denn steigt der Kurs fällt umgekehrt die Verzinsung von Anleihen.

Euro-Krisenländer wie Spanien und Italien müssen dagegen hohe Zinsen für die Schuldenfinanzierung am Kapitalmarkt zahlen, auch wenn der Druck der Märkte beispielsweise auf Spanien zuletzt nachgelassen hat.

Die Entscheidung der Notenbanker hatte dazu geführt, dass die Zinsen am Geldmarkt, wo Banken sich untereinander kurzfristig Geld leihen, ebenfalls kräftig gesunken und teilweise auch ins Minus gerutscht sind. Negative Renditen oder Zinsen wiederum zeigen, wie verzweifelt Anleger derzeit auf der Suche nach sicheren Anlagen sind. Dabei geht es einem Teil der Investoren nicht mehr darum, ihre Mittel Gewinn bringend anzulegen, sondern nur noch darum, die Gelder mit höchster Wahrscheinlichkeit am Ende auch wieder zu bekommen.

  • FTD.de, 18.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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