Das im Frühjahr 2010 aufgelegte Hilfspaket für Griechenland ist auf drei Jahre befristet. Die letzten Notkredite werden also 2013 fließen. Sie waren als Überbrückungshilfe gedacht: Griechenland hatte nach Offenbarung geschönter Haushaltsstatistiken Ende 2009 seine Glaubwürdigkeit verloren und erhielt auf den Finanzmärkten nur noch gegen sehr hohe Zinsen frisches Geld. Die Notkredite von EU und IWF sollten der Regierung in Athen Luft verschaffen, mit einem harten Sparprogramm ihre Staatsfinanzen aufzubessern und damit Vertrauen zurückzugewinnen.
Seither sind im Handel mit bereits ausgegebenen griechischen Staatsanleihen, dem sogenannten Sekundärmarkt, die Zinsen aber beständig gestiegen. Für Investitionen in Zehnjahrespapiere forderten Anleger am Freitag eine Rendite von 13,3 Prozent, für Zweijahrespapiere sogar 17,9 Prozent. Das zeigt, dass die Nachfrage nach den Papieren sinkt, denn steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher.
Sollte Athen wie geplant im kommenden Jahr neue Anleihen begeben, müsste die Regierung mit noch höheren Zinsen rechnen als zum Zeitpunkt ihres Hilferufs vor einem Jahr. Damit steigt die Gefahr, dass Griechenland seine Altschulden nicht mehr bedienen kann.
Zweifel an Sinnhaftigkeit des Sparkurses
Die französische Bank Société Générale hält es deshalb für unausweichlich, dass Anleihe-Gläubiger auf einen Teil ihres Investments verzichten müssen. Zwar sei denkbar, dass Griechenland stattdessen zunächst nur um eine Verlängerung der Rückzahlungsfristen bitten werde. "Das wird aber nicht ausreichen, um die Solvenz wieder herzustellen, und würde das Unvermeidbare nur hinauszögern", schreibt der Analyst Vladimir Pillonca.
Der Sparkurs löste in Griechenland heftige Proteste aus
Die am Freitag angekündigte Verschärfung des Sparprogramms ändert daran nach Einschätzung Pilloncas nichts. Schon in den vergangenen Monaten hätten die Kürzungen das Wirtschaftswachstum gedämpft und dazu geführt, dass die griechischen Steuereinnahmen weitaus geringer ausfielen als von EU und IWF prognostiziert.
Pillonca zweifelt deshalb an der Einschätzung des IWF, dass die griechische Staatsschuldenquote auf maximal 160 Prozent steigt und ab 2013 zurückgeht. Nach seiner Einschätzung wird sie bis 2014 weiter anschwellen - unter diesen Voraussetzungen wäre eine Rückkehr an die Finanzmärkte sehr schwierig.