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Merken   Drucken   28.06.2011, 14:49 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Deutsche Banken wollen sich an Griechen-Rettung beteiligen

Die Finanzinstitute sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zu einem Beitrag bereit. Geplant sei eine Verlängerung der Kredite an die griechischen Regierung. Ein Modell dafür war zuvor in Paris vorgestellt worden.
© Bild: 2010 AFP
Die Finanzinstitute sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zu einem Beitrag bereit. Geplant sei eine Verlängerung der Kredite an die griechischen Regierung. Ein Modell dafür war zuvor in Paris vorgestellt worden.
von Frankfurt

Die Banken in Deutschland haben offenbar einen Beitrag zum nächsten Rettungspaket für Griechenland zugesagt. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Dienstag, die deutschen Geldhäuser wollten sich einem in Frankreich entwickelten Modell für die Beteiligung privater Gläubiger anschließen. Darauf hätten sich Vertreter der Bankenverbände mündlich bei einem Treffen im Bundesfinanzministerium verständigt, schrieb Reuters unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen. An den Details werde noch gearbeitet. Die Bankenverbände lehnten eine Stellungnahme ab.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte am Montag mitgeteilt, die Banken seien zu einer Verlängerung von Krediten an Griechenland bereit. Bedingung ist allerdings, dass die Ratingagenturen dies nicht als Zahlungsausfall werten. Die genauen Modalitäten der Gläubigerbeteiligung sind noch unklar. FTD.de fasst die bislang verfügbaren Informationen zusammen.

Die französischen und deutschen Geldhäuser zählen zu den größten Auslandsgläubigern Griechenlands. Allein die französischen Institute hatten Ende März laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) rund 15 Mrd. Dollar an griechischen Staatsanleihen in ihren Büchern. Die Forderungen der deutschen Geschäftsbanken an Athen belaufen sich auf rund 10 Mrd. Euro. Ein Teil dieser Anleihen wird in den nächsten Jahren fällig.

Sarkozy sagte am Montag, die französischen Banken seien bereit, bei Rückzahlung dieser Schulden 50 Prozent der Einnahmen in neue griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren zu stecken. Damit würde Griechenland Zeit gewinnen.

Auf die 30-Jahres-Papiere soll Athen einen Zinssatz zahlen, der etwa den Zinsen für die Notkredite der EU und des Internationalen Währungsfonds entspricht. Die liegen derzeit bei gut fünf Prozent und damit deutlich niedriger als die Zinsen, die Griechenland für die Beschaffung frischen Geldes an die Finanzmärkte aufbringen müsste.

Die Geldhäuser würden die neuen Griechen-Bonds in eine noch zu gründende Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV) auslagern. Damit verschwänden die Papiere aus ihren Bilanzen. Staatliche Garantien für die SPV sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aber nicht geplant. Vielmehr soll das Risiko, das Griechenland seine Schulden auch in 30 Jahren nicht bedienen kann, durch Einrichtung eines Sicherheitsfonds gemildert werden.

Der Fonds soll sich ebenfalls aus den bevorstehenden Tilgungszahlungen des griechischen Staates an seine privaten Gläubiger speisen: 20 Prozent davon sollen zur Absicherung der neuen Griechen-Bonds verwendet werden. Das Geld soll laut Reuters in Nullzins-Anleihen mit der Top-Bonitätsnote "AAA" fließen.

Der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling   Der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling

Für diese Anleihen würde nach FTD-Informationen eine internationale Organisation die Haftung übernehmen. Das könnte beispielsweise der Euro-Rettungsfonds EFSF sein. Technisch gesehen könnte die Haftung dadurch erreicht werden, dass die Banken EFSF-Anleihen kaufen.

Der Trick dabei: Werden die Papiere als Nullzins-Anleihen begeben, so können die Banken sie zu einem Preis unterhalb des Nennwerts erwerben. Bei Fälligkeit erhielten sie aber den vollen Nennwert zurück - als Ersatz dafür, dass sie für diese Investition keine Zinsen bekommen. Das heißt: Auch wenn die Banken nur 20 Prozent der Einnahmen aus auslaufenden Griechen-Bonds in den Sicherungsfonds stecken, bekämen sie am Ende eine größere Summe zurück.

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Das Modell bezieht sich auf Einnahmen aus griechischen Staatsanleihen, die in den Jahren 2011 bis 2014 auslaufen. Das Volumen der in diesem Zeitraum fälligen Bonds beläuft sich laut einer Analyse der Royal Bank of Scotland auf 108 Mrd. Euro. Sollten alle Inhaber solcher Papiere die Hälfte der Einnahmen in neue Bonds stecken, würde Griechenland also ein Betrag von gut 50 Mrd. Euro gestundet.

Der Haken an der Sache: Ein erheblicher Anteil der griechischen Anleihen liegt in den Händen öffentlicher Gläubiger, beispielsweise der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Präsident Jean-Claude Trichet  hat bereits klargestellt, dass sein Haus an einer Verlängerung der Kredite kein Interesse hat.

Private Investoren halten nach Schätzung des Finanzdatendienstleisters Thomson Reuters zwei Drittel der knapp 300 Mrd. Euro an ausstehenden griechischen Staatsanleihen. Diese Zahl bezieht sich aber auch auf Anleihen, die erst nach 2014 auslaufen.

Nach FTD-Informationen zeigten Vertreter deutscher Institute bei einem Treffen des internationalen Branchenverbands IIF am Montag Sympathie für das französische Modell. Eine Verlängerung der Kredite an Griechenland um 30 Jahre stieß aber auf Vorbehalte.

Reuters berichtete am Dienstag allerdings unter Berufung auf einen schriftlichen Entwurf des Beteiligungsmodells, dies sei nur eine mögliche Variante. Alternativ könnten die Banken auch 90 Prozent der Rückflüsse aus alten Anleihen in neue Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren investieren. Da das von Reuters zitierte Papier vom 24. Juni stammt und diese Option von Sarkozy nicht erwähnt wurde, wurde sie von den französischen Geldhäusern vermutlich verworfen.

  • FTD.de, 28.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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