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Merken   Drucken   23.11.2012, 19:01 Schriftgröße: AAA

Europäische Ratingagentur: Angriff auf die Dreifaltigkeit

Es ist dringend nötig, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch anzugreifen – gerade jetzt, wenn Deutsche Post und Heidelberg Cement ihre Verträge mit S&P kündigten. Die Erfolgschancen der neu gegründeten „New Rating“ steigen.
© Bild: 2012 DPA/Oliver Berg
Leitartikel Es ist dringend nötig, Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch anzugreifen – gerade jetzt, wenn Deutsche Post und Heidelberg Cement ihre Verträge mit S&P kündigten. Die Erfolgschancen der neu gegründeten „New Rating“ steigen.

Es ist ja nicht die schlechteste Idee, gerade in Zeiten einer vorsichtigen Götterdämmerung den Markt der Ratingagenturen mit einem Konkurrenzangebot aufzumischen. Um so der beherrschenden Rating-Dreifaltigkeit Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch das Fürchten zu lehren. Und die oligopolistische Preisgestaltung der großen Drei anzugreifen. Das ist dringend nötig.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Am Mittwoch hat die Deutsche Post den Vertrag mit S&P gekündigt - mit der Begründung, dass der Marktführer schlicht zu hohe Preise verlangt. Am Freitag nun zog ein weiterer DAX -Konzern, der Baustoffhersteller HeidelCement , nach, wobei unklar blieb, ob auch dieser Schritt mit den jüngsten Gebührenerhöhungen von S&P zu tun hat.

Es scheint, als sei der Ratingmarkt weniger verschlossen als gedacht. Für die Qualität und die Preise der Länder- und Unternehmensratings kann das nur eine gute Nachricht sein.

"New Rating" soll die neue Agentur heißen, und sie will ab 2014 die ersten Bewertungen abgeben. Die Chancen sind gar nicht so schlecht, wenn der Initiator Markus Krall von den einst hochtrabenden Plänen ablässt. Die Beraterfirma Roland Berger wollte zunächst nicht nur einen weiteren Ratinganbieter schaffen - sondern gleich das ganze Geschäft revolutionieren. Berger hat sich weitgehend aus dem Projekt zurückgezogen - während sich Krall den Realitäten anzunähern scheint. Kleiner und klarer sind seine Ziele nun. Darum sollten sie bessere Chancen haben.

Zum Beispiel könnte der frühere Non-Profit-Ansatz nun einem unternehmerischen weichen. Wagniskapitalgeber sollen investieren - und die erwarten natürlich auch Rendite und ein vernünftiges Geschäftskonzept. Zudem hat Krall das nötige Startkapital von 300 Mio. auf rund 100 Mio. Euro reduziert. Auch das macht die Suche nach willigen Investoren einfacher.

Das reine Stiftungsmodell, das Berger und Krall vorschwebte, könnte zu einer unnötigen Politisierung des Projekts führen - es wäre sinnvoll, wenn Krall davon ablassen würde. Wer hätte wohl ohne oder nur mit symbolischer Renditeerwartung Geld in ein solches Unternehmen gesteckt? Verständlich, dass man sich nach der Subprime-Krise politisch motivierte Investoren erhoffte. Aber für ein Geschäftskonzept sollte man nicht auf philanthrope Geldgeber hoffen, sondern auf renditeorientierte.

Die größte Aufgabe aber wird sein, Vertrauen in die Qualität der neuen Ratings aufzubauen. Das dauert. Zumal Länderratings die Testballons sein werden - die sind einfacher. Bis Unternehmen Interesse zeigen, wird also noch Zeit ins Land gehen. Ein Prozess, der beschleunigt werden kann: durch kompetente Analysten. Die aber wird Krall auch bei den Konkurrenten abwerben müssen.

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