Der EZB-Chef verteidigt den Euro - und attackiert die Regierungen der Währungsunion. Seine Botschaft: Die Zentralbank muss ausbaden, was Schuldensünder und die Schwächung des Stabilitätspakts angerichtet haben.
von Barbara SchäderFrankfurt
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat die Kritik an der Geldpolitik der Notenbank mit außergewöhnlich scharfen Worten zurückgewiesen. Auf die Frage eines deutschen Journalisten nach den umstrittenen Anleihekäufen der EZB und deren Folgen für die Glaubwürdigkeit der Währungshüter reagierte der Franzose mit einem Ausbruch: "Ich würde gern mal Glückwünsche für eine Institution hören, die seit 13 Jahren stabile Preise gewährleistet."
Dass die Zentralbank das Kaufprogramm zur Stützung hoch verschuldeter Euro-Staaten aufgelegt habe, liege daran, "dass die fraglichen Regierungen nicht ordentlich gewirtschaftet haben und nicht aufgepasst haben", sagte Trichet.
Der Vorwurf mangelnder gegenseitiger Kontrolle zielt auch auf Deutschland. Der EZB-Chef erinnerte daran, dass "2004 und 2005 einige bedeutende Regierungen in Europa eine Schwächung des Stabilitätspakts gefordert haben - die französische, die deutsche und die italienische."
Besonders empfindlich reagierte Trichet auf den Vorwurf, die EZB habe sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Kauf von Schuldtiteln der Euro-Sorgenkinder drängen lassen. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte die riskanten Papiere zuvor im Bundestag als "Merkel-Bonds" verspottet.
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