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  15.06.2009, 17:30    

Finanzstabilitätsbericht: EZB sieht US-Top-Rating in Gefahr

China und Russland ermahnen die USA seit Wochen, auf ihre Staatsfinanzen zu. Jetzt mischt sich auch die EZB ein. Sie hält es für möglich, dass die Amerikaner ihr "AAA"-Rating verlieren. Den europäischen Banken drohen derweil weitere Verluste von mehr als 280 Mrd. $.

von Tobias Bayer (Frankfurt)
"Unter pessimistischen Annahmen könnte der große Anstieg des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung dazu führen, dass die USA herabgestuft werden", schrieb die EZB in ihrem am Montag veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. "Sollte das passieren, könnte es wichtige Folgen für das globale Finanzsystem haben, beispielsweise über höhere Bondrenditen weltweit."
Neben den USA widmet sich die EZB auch den europäischen Banken. Ihnen drohten bis Ende 2010 weitere Verluste in Höhe von 283 Mrd. $. Über die Periode 2007 bis 2010 gerechnet könnten sich die Verluste in ihren Wertpapierportfolien auf 218 Mrd. $, die Verluste durch Kreditausfälle auf 431 Mrd. $ belaufen. "Diese Verluste müssten durch eine höhere Risikovorsorge und einbehaltene Gewinne kompensiert werden. Allerdings fällt der Ausblick für die Ertragskraft des Bankensektors höchst unsicher aus, was eine Prognose sehr schwer macht", hieß es in dem Bericht.
Bilderserie Bilderserie: Welche Staaten noch das AAA haben
Mit der EZB äußert sich jetzt erstmals auch eine wichtige Institution der Industrieländer kritisch zur finanziellen Situation in den USA. Bislang riefen vor allem Schwellenländer wie China oder Russland Washington zu einer verantwortlichen Haushaltspolitik auf. Seit Wochen sorgen sich Investoren, dass sich die Vereinigten Staaten mit ihren Konjunktur- und Bankenrettungspaketen übernehmen könnten.
Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bereits eine Herabstufung Großbritanniens in Aussicht stellte, wird auch über die USA spekuliert. Das setzt dem Dollar zu und treibt die Bondrenditen nach oben. Der Dollar-Index, der den Verlauf des Greenback zu den Währungen der sechs wichtigsten Handelspartner der USA wiedergibt, fiel seit Anfang März um knapp elf Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte seit Ende Dezember um 82 Prozent auf derzeit 3,74 Prozent.
"Risiken für die Finanzstabilität bleiben hoch"
Im Kampf gegen die Rezession plant die US-Regierung für 2009 ein Haushaltsdefizit von rund 1850 Mrd. $ (1300 Mrd. Euro) ein. Laut der aktuellen Schätzung des amerikanischen Rechnungshofs wird das Defizit damit von 3,2 Prozent im Haushaltsjahr 2008 auf 11,9 Prozent 2009 zulegen. Allein über den "American Recovery and Reinvestment Act" werden 787 Mrd. $ aufgewandt, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das resultiert in einem höheren Refinanzierungsbedarf: Insgesamt werden die USA in diesem Jahr wohl 2500 Mrd. $ am Kapitalmarkt aufnehmen.
Aus Sicht der USA gibt es immerhin auch positive Nachrichten: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hob seine Prognose für das Wirtschaftswachstum an. Der Währungsfonds erwartet für 2009 nun einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und ein leichtes Wachstum von 0,75 Prozent im kommenden Jahr. In seinem Weltwirtschaftsbericht war er noch von einem Minus von 2,8 Prozent und einer Stagnation 2009 ausgegangen. "Der kurzfristige Ausblick ist mit unüblich großen Risiken behaftet. Das schließt beispielsweise Zwangsvollstreckungen und einen weiteren Hauspreisverfall mit ein", schrieb der IWF am Montag in einer Studie zur USA.

Teil 2: Banken machen Fortschritte, hängen aber noch am Tropf

  • FTD.de, 15.06.2009
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