Das Versprechen klingt fast zu schön, um wahr zu sein: aktienähnliche Erträge bei rentenähnlicher Sicherheit. Zumindest für die zehn Top-Fonds des aktuellen Morningstar-Ratings der Kategorie "Wandelanleihen Europa" ging diese Rechnung in den vergangenen drei Jahren hervorragend auf: Zwischen 8,8 und 16,5 Prozent Plus fuhren sie seit Anfang 2009 pro Jahr ein. Und das bei durchschnittlichen Schwankungen von sieben bis elf Prozent. Zum Vergleich: Der europäische Aktienmarktindex MSCI Europe stieg jährlich um 18,8 Prozent, schwankte aber mit 15,9 Prozent deutlich stärker.
Dieser Performancevergleich zeigt zweierlei: Auf der einen Seite bestätigt er Wandelanleihefans, die für sich in Anspruch nehmen, mit kaum gebremstem Schwung an der Aktienmarktentwicklung teilzunehmen, ohne jedoch entsprechend hohe Risiken eingehen zu müssen. Auf der anderen Seite zeigen die starken Unterschiede im Anbieterfeld aber auch, dass der Handel mit Wandlern ein kompliziertes Geschäft ist , das Privatanleger tunlichst Managern überlassen sollten, die sich damit auskennen. Ganz abgesehen davon, dass der Markt kleinen Investoren gar nicht offensteht, zählen Convertibles - so die gängige englische Bezeichnung - nämlich anerkanntermaßen zu den schwierigsten Anlageklassen überhaupt. Wer daran zweifelt, braucht nur einen Blick auf die Fondsgesellschaften zu werfen, die im Morningstar-Rating dominieren. Da dominieren ausgewiesene Spezialisten das Feld.
Wenig überraschend ist auch , dass gleich sechs der besten zehn Fonds ihre Wurzeln in Frankreich haben. Französische Unternehmen gehören nämlich zu den eifrigsten Emittenten von Wandelanleihen weltweit, entsprechend groß ist auch die Expertise unter dortigen Geldanlageprofis.
Was aber müssen die so genau wissen? Im Grunde klingt die Sache einfach: Wandelanleihen sind ganz normale festverzinsliche Papiere, ausgestattet mit einem einzigen Zusatz, dem Wandelrecht. Das besagt: Die Anleihekäufer können ihren Schuldtitel am Ende der Laufzeit auch gegen eine festgelegte Zahl an Aktien tauschen, statt sich das Geld zurückzahlen zu lassen.
Diese kleine Ergänzung hat große Folgen: Wenn die Aktienkurse des Unternehmens steigen, werden automatisch auch die Wandelanleihen wertvoller. Umgekehrt wirken die Geld-zurück-Garantie sowie laufende Zinsausschüttungen bei schwachen Aktienmärkten als Risikopuffer.
Die Fragen für Fondsmanager lauten nun: Zu welchem Kurs ist welche Wandelanleihe besonders attraktiv? Wie stark reagiert sie gerade auf Aktienkursschwankungen? Und wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich von ihr zu trennen? Bei der Beantwortung dieser Fragen gehen die Manager ganz unterschiedlich vor: Der Parvest-Fonds war zuletzt sehr aggressiv unterwegs und kaufte vor allem Wandler, die stark von den steigenden Aktienkursen profitierten. Bei den Fonds von UBAM, Jefferies und Oddo spielen Kapitalgewinne gegenüber Zinserträgen eine deutlich geringere Rolle. Das sogenannte Delta, das anzeigt, wie stark sich Aktienbewegungen auf die Kurse der Wandelanleihen in ihren Portfolios im Schnitt auswirken, liegt nur bei um die 30 Prozent - möglich wären auch 60 Prozent oder mehr. Diese Fonds eignen sich also für defensivere Anlegernaturen.