Welche Fonds schlagen den Vergleichsindex und welche enttäuschen die Anleger? Unsere Serie, die auf Daten der Ratingagentur Morningstar basiert, hält Sie auf den Laufenden.
Aktienfonds, die schwerpunktmäßig in große europäische Wachstumstitel investiert sind, haben derzeit keinen leichten Stand. Ihre Manager setzen deshalb verstärkt auf Solidität. von Olaf Wittrock
Die Zeichen stehen nicht gerade auf Wachstum in diesen Tagen, in denen die Wirtschaft in Europa und den USA schwächelt und selbst die Wirtschaft in China nicht mehr so stark zulegen kann wie in den Jahren zuvor. In diesem Umfeld haben es Manager, die schwerpunktmäßig in Aktien sogenannter Growth-Unternehmen investieren, besonders schwer. Denn neigen die Marktteilnehmer mehrheitlich zu Vorsicht oder gar zu Pessimismus, legen sie das Geld lieber in dividendenstarken Titeln an, deren Geschäftsmodelle eben nicht auf der Erwartung fußen, dass künftig alles besser wird, sondern darauf, dass das laufende Geschäft ertragreich genug ist, um auch Schwächephasen zu überstehen.
Das aktuelle Morningstar-Rating spiegelt diese Lage wider. Das Ranking führen Fonds an, deren Manager sich keineswegs auf waghalsige Spekulationen mit der Zukunft einlassen, sondern trotz Growth-Investments durchaus auf fundamentale Stärken der Unternehmen schauen. Zunächst dominieren bei der Aktienauswahl allerdings nicht Dividendenrenditen, hohe Substanzwerte oder im Vergleich zu den Gewinnen niedrige Kurse, sondern historisch hohe Wachstumsraten bei Umsatz, Cashflow und Gewinn. Das Ergebnis dieser Titelauswahl führt momentan dazu, dass sich in den Portfolios mehrheitlich Aktien vermeintlich braver Konsumgüterhersteller, aus der Gesundheitsbranche und dem Energiesektor finden.
Die besten Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt europäische Wachstumswerte
So dominieren im Allianz RCM Wachstum Europa neben Anteilen am IT-Dienstleister SAP auch Aktien von Bierbrauer Carlsberg, Calgon- und Kukident-Hersteller Reckitt-Benckiser, Tabakkonzern British American Tobacco und Nahrungsmittelmulti Danone. Der quantitativ gemanagte Fonds Spängler Quality Growth Europe setzt unter anderem auf Brillengläserhersteller Essilor, Gas- und Gabelstaplerproduzent Linde und Kantinenbetreiber Sodexo. Und im Carmignac Grande Europe, dessen Manager zuletzt mit ihrer hochaktiven Strategie auch mal danebenlagen, finden sich derzeit größere Aktienpositionen des portugiesischen Supermarktbetreibers Jerónimo Martins und des Nivea-Produzenten Beiersdorf.
Auffällig viele Manager aus der Rankingspitze argumentieren mit den soliden Bilanzen der Unternehmen in ihren Depots - und weniger mit deren hochfliegenden Ausbauplänen. Für Aktienfonds, die sich auf Wachstumstitel stürzen, sind solche Töne ungewöhnlich defensiv.
Aber es sind nun mal auch ungewöhnliche Zeiten. Und da sprechen durchaus zwei Argumente ganz unabhängig vom konkreten Management der einzelnen Fonds grundsätzlich für einen Einstieg ins Growth-Segment. Erstens das antizyklische Moment, also die Tatsache, dass ein Einstieg in einen Markt immer dann geboten scheint, wenn kaum einer darauf setzt. Zweitens die Tatsache, dass sich typische Growth-Aktien weitaus weniger von einer schwachen Konjunktur aufhalten lassen als das Geschäft vieler Konzerne ohne vergleichbare Wachstumsfantasien. So argumentiert unter anderem das Management des Metzler-European-Growth-Fonds. Mit dieser Grundeinstellung und einer entsprechenden Handelsstrategie haben sie jedenfalls den marktbreiten Index MSCI Europe Growth in den vergangen Jahren geschlagen - so wie die meisten Top-Fonds des Vergleichs.
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