Österreich spielt börsenmäßig bestenfalls in der Regionalliga. In Wien werden nicht einmal 100 Unternehmen im geregelten Markt gehandelt, und deren Aktien haben alle zusammen gerade mal einen Wert von 74 Mrd. Euro. Das ist nicht viel mehr als der Börsenwert der Siemens AG, des derzeit wertvollsten DAX-Titels.
Ein derart kleiner Markt ist extrem anfällig für Schwankungen und Kurseinbrüche - zumal auch noch die Hälfte des gesamten Börsenumsatzes auf nur vier Unternehmen entfällt: die Bank Erste Group, den Öl- und Gaskonzern OMV , den Stahlkonzern Voestalpine und den Maschinenbauer Andritz . Da angesichts der aktuellen Branchenkrise zum Beispiel die in Osteuropa marktführende Erste Group im Verlauf des vergangenen Jahres mehr als die Hälfte ihres Wertes einbüßte, konnte der österreichische Leitindex ATX gar nicht anders, als einzuknicken. Unterm Strich beendete der Leitindex das Jahr 2011 mit einem Minus von 33,9 Prozent.
Fondsmanager, die ausschließlich in Österreich aktiv sind, haben wegen des eng begrenzten Anlageuniversums kaum Möglichkeiten, einer solch schlechten Börsenstimmung zu entgehen. Alle Fonds des aktuellen Ratings - abgesehen vom passiven Indexfonds des US-Vermögensverwalters State Street ausschließlich Fonds aus heimischer Produktion - haben 2011 rund ein Drittel an Wert eingebüßt.
Im Drei-Jahres-Rückblick ist die Performance demgegenüber zwar durchweg positiv. Das allerdings liegt vor allem an der schlechten Ausgangsposition im Frühjahr 2009, als die Börse komplett am Boden lag, und am Zwischenaufschwung in den ersten Monaten dieses Jahres.
Mit der Entwicklung der ATX-Standardwerte konnte allerdings kaum ein Fonds mithalten, nur zwei Fonds haben den Index geschlagen. Das liegt wiederum zu großen Teilen an den umsatzstärksten Titeln, die den ATX prägen. Neben Aktien von Voestalpine, die innerhalb der drei Jahre um 50 Prozent zulegten, entpuppte sich vor allem Andritz als Gewinnlieferant für Aktionäre: Der weltweit aktive Zulieferer für Wasserkraftwerke, Papierindustrie und Biomasseproduzenten hat seinen Kurs binnen drei Jahren mehr als verdreifacht. Weitere Toptitel der vergangenen Jahre waren die Immobilieninvestoren Immofinanz und Conwert.
Traditionelle Industrie- und Immobilienunternehmen genießen auch bei den besten Fondsmanagern das höchste Ansehen. Wer zudem Bankenwerte weitgehend mied, wie der 3 Banken Österreich-Fonds, der konnte Anlegern durchaus Freude bereiten. Dort stockt man angesichts der niedrigen Bewertungen neuerdings die Bankaktienbestände auf.
Das Schlusslicht der Tabelle bildet mit dem Austrian Index Equity Fund ausgerechnet ein Fond, der passiv einen Index nachbildet - was angesichts der Schwierigkeiten für die Manager, den ATX zu schlagen, verwundert. Doch auch dafür liefert die Enge des Marktes eine Erklärung. Der Fonds orientiert sich nämlich nicht am ATX, sondern am Österreich-Index von MSCI. Der renommierte Indexanbieter nimmt nur Titel in seine Indizes auf, die bestimmten Größen-, Liquiditäts- und Streubesitzanforderungen genügen. Diese Kriterien erfüllen nur acht Österreich-Aktien, von denen drei über 50 Prozent der Performance bestimmen. Dieses extrem konzentrierte Portfolio ist so noch anfälliger für Schwankungen und Einbrüche.